Umstellung auf sommerzeit: herzinfarkte steigen um 24 prozent
Mit dem Voranschreben der Uhren schlägt auch das innere Pendel aus dem Takt. Innerhalb der ersten drei Tage nach dem Zeitwechsel verzeichnen Kliniken einen Spitzenwert: 24 Prozent mehr Herzinfarkte als in einer gewöhnlichen März-Woche. Das ist keine Statistik-Fluktuation, sondern das Echo eines Stresstests, den Millionen Körper gleichzeitig absolvieren müssen.
Der kleine knopf im hirn, der alles steuert
Der Nucleus suprachiasmaticus – ein winziger Kern im Hypothalamus – fungiert als zentrale Schaltstelle für Rhythmen wie Cortisol-Ausschüttung, Melatonin-Bremse und Insulin-Freigabe. Wird die externe Uhr um eine Stunde vorgedreht, reagiert das System mit einer Art Mini-Jetlag: Sympathikus hoch, Blutdruck hoch, Entzündungsmarker hoch. Wer bereits unter Adipositas, Hypertonie oder Dauerspannung leidet, braucht bis zu sieben Tage, um wieder ins Lot zu kommen. Die gefährlichen Stunden sind dabei nicht nachts, sondern der frühe Morgen nach dem Wechsel – wenn das Herz zwischen alter und neuer Zeit pendelt und die Gefäße noch nicht mitspielen.

So trainiert man den körper auf die zeitumstellung
Spätestens vier Tage vor dem offiziellen Termin beginnt der Countdown: Frühstück, Mittagessen und Schlafzeit rücken täglich um 15 Minuten vor. Der letzte Blick aufs Smartphone erfolgt eine Stunde vor dem Einschlafen, die letzte Mahlzeit ebenfalls. Am Sonntagmorgen zieht man die Vorhänge auf und lässt Tageslicht direkt auf die Netzhaut prallen – das stärkt das Signal „neuer Tag, neue Uhr“. Krafteinheiten verschiebt man auf den späten Nachmittag, denn morgendliches Tempotraining würde den ohnehin überaktiven Sympathikus weiter reizen. Wer diese Mikro-Dosis Disziplin mitbringt, senkt sein persönliches Risiko messbar – und spart sich die bleierne Müdigkeit, mit der die Mehrheit in die erste Sommerzeit-Woche startet.
Die Devise lautet nicht „früher schlafen“, sondern „den Rhythmus vorziehen, bevor ihn die Politik vorgezogen bekommt“. Denn wer jetzt aufpasst, spielt am Montag nicht mit dem Herz in der Hand, sondern mit der Uhr im Kopf – und die tickt dann schon wieder im Takt.
