Spanien zieht „natürliche“ potenzpille bichota zurück – verbirgt rezeptpflichtiges viagra
Die spanische Arzneimittelbehörde AEMPS hat am Dienstag alle Lagerregale und Online-Shops gleichzeitig geplündert: Bichota, als pflanzliches Nahrungsergänzungsmittel vermarktet, ist in Wahrheit ein Rezept-Bombchen mit der vollen Viagra-Dosis. Der Laborbefund des staatlichen Kontrolllabors spricht eine klare Sprache: Sildenafil, der PDE-5-Hemmer, steckt in jeder Kapsel – unangemeldet, unerlaubt, lebensgefährlich.

Der „bio-booster“ entpuppt sich als illegaler pharmakoknaller
Hersteller und Influencer hatten Bichota als natürlichen Testosteron-Boost gefeiert. Die Realität: ein Arzneimittel ohne Zulassung, hergestellt unter unklaren Bedingungen, vertrieben über Instagram-Stories und dubiose Wellness-Webshops. Wer die Kapsel schluckt, nimmt genau die Substanz ein, die Ärzte vor Nitro-Patienten warnend unter Verschluss halten.
Die Gefahr ist nicht theoretisch. Die Reaktion mit Nitratpräparaten – häufig bei Angina- oder Herzinsuffizienz-Patienten – kann den Blutdruck binnen Minuten in den Keller drücken. Das Ergebnis: Kreislaufkollaps, möglicherweise tödlich. Auch für Männer mit Arrhythmien, Vorhofflimmern oder retinalen Durchblutungsstörungen ist das Zusammentreffen mit Sildenafil ein Spiel mit dem Herzrhythmus.
Die Behörde hat über das europäische Frühwarnsystem SCIRI sofort Alarm geben lassen. Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien prüfen derzeit Nachbestellungen, die über spanische Großhändler hereingekommen sind. Denn der Großhandel ist durchlässig: Ein Drittel der eingestellten Bichota-Packungen war bereits in andere EU-Staaten weiterverkauft.
Online-Marktplätze reagierten zögerlich. Noch am Montagabend war das Produkt bei mehreren deutschen Plattformen für 39 Euro pro Dose gelistet – versehen mit Versprechen wie „steigert Ausdauer und Libido auf natürliche Weise“. Erst nach massiven Nutzer-Meldungen verschwanden die Angebote. Die restlichen Lagerbestände müssen nun binnen zehn Tagen vernichtet werden.
Die Zahl der bislang bekannten Nebenwirkungsmeldungen ist niedrig – drei hospitalisierte Anwender in Valencia, einer mit lebensbedrohlichem Blutdruck-Abfall. Doch genau das macht die Lage brisant: Viele Betroffene zögern, sich mit einem „Nahrungsergänzer“ in der Hand der Notaufnahme zu stellen. Dunkelziffer unbekannt – vermutlich höher, als die Statistik verrät.
Die spanische Gesundheitsministerin hat bereits ein Strafverfahren wegen Gesundheitsbetrugs angekündigt. Die maximale Freiheitsstrafe: bis zu sechs Jahre. Gleichzeitig mahlt die EU-Mühle: Die nächste Arzneimittel-Richtlinie soll künftig Nahrungsergänzungsmittel stärker der Arzneimittel-Kontrolle unterstellen. Die Lehre aus Bichota ist simpel: Was als Bio-Quickie daherkommt, kann am Ende das Herz zum Stillstand bringen.
Die Ampel steht auf Rot – und die nächste vermeintlich harmlose Dose „Power aus der Natur“ wartet möglicherweise schon im Warenkorb.
