Lindsey vonn: „ich schrie aus voller kehle – das schmerzt noch heute“
Sechs Wochen liegt der Sturz her, doch die Bilder brennen noch immer. Lindsey Vonn liegt im CT, das Knie zerfetzt, die Schmerzmittel versagen. „Ich schrie aus voller Kehle: Holt mich hier raus!“, sagt sie nun. Das war der Moment, als die ehemalige Speed-Queen begriff: Diese Verletzung ist anders.
„Bratwürstchen auf dem grill“ – das kompartmentsyndrom
Der Unfall in Cortina war schnell. Ein Torhaken, ein verkehrter Schneekontakt, dann der Sturz. Dahinter folgte eine Nacht, die sich wie ein Horrorfilm liest. US-Teamarzt Tom Hackett spricht von Fentanyl, Morphin, Oxycodon – alles ohne Wirkung. Der Druck im Unterschenkel steigt, das Gewebe schwillt an, „wie Bratwürstchen auf dem Grill“, sagt Hackett. Die Gefahr: Amputation. Eine Not-OP rettet das Bein – knapp.
Vier Operationen später sitzt Vonn in Park City, Utah, und beginnt das, was sie selbst „Reset“ nennt. Die 84-fache Weltcupsiegerin weiß: Ihr Körper wird nie wieder der gleiche sein. Aber ihr Kopf? „Der ist noch im Wettkampfmodus“, sagt sie.

Comeback oder kinder – vonn lässt sich alle optionen offen
Im Gespräch mit Vanity Fair klingt sie nicht wie eine Athletin, die Abschied genommen hat. „Ich mache keine Tür zu“, sagt sie. „Vielleicht will ich in zwei Jahren wieder fahren. Vielleicht lebe ich dann in Europa. Vielleicht habe ich zwei Kinder.“ Die Formel klingt simpel: Solange der Schmerz nachlässt, bleibt die Option.
Was bleibt, ist der Groll. Dass niemand mehr von ihrem letzten Weltcup-Sieg spricht. Dass alle nur den Sturz sehen. „Ich war die Nummer eins im Klassement. Niemand erinnert sich“, sagt sie. Das ist der Fluch der Speed-Queen: Selbst ihre eigene Legende wird vom Knie überschattet.
Die Reha läuft. Das Bein ist noch geschwollen, die Narben noch frisch. Aber Vonn läuft schon wieder. Und wenn sie sich fragt, wofür das alles gut war, hat sie eine Antwort parat: „Weil ich noch nicht fertig bin.“
