Horror-abflug an der cipressa: silvestri fliegt in den abgrund – kopecky siegt in tränen
Die Cipressa beißt zu. Debora Silvestri flog auf der Abfahrt 15 Meter tief, riss sich fünf Rippen entzwei und brach sich die Schulter. Wenige Kilometer später jubelte Lotte Kopecky auf der Via Roma – und konnte den Tränen kaum noch trotzen.
Sturzserie überschattet klassiker
Es war dieselbe Kurve, in der schon 2021 ein Fahrer aus dem Rad geschleudert wurde. Diesmal rissen zwei Sekunden der Peloton auseinander. Vorne touchierten sich Kasia Niewiadoma und eine Fahrerin von Canyon//SRAM, hinten rast Silvestri in die Leitplanke. „Ich sah nur noch Asphalt, dann Luft“, sagte sie später aus dem Krankenhaus Sanremo. Die 27-jährige Italienerin landete auf einem Zufahrtsweg, der fast vier Meter tiefer liegt als die Straße. Ein Helfer filmte das Ganze – das Video kursiert inzwischen in den sozialen Netzwerken und hat schon über eine Million Aufrufe.
Team Laboral Kutxa bestätigte sofort: Bewusstsein vorhanden, keine Gefahr für Leib und Leben. Doch der Blick in die Diagnoseliste zeigt, wie knapp das Happy-End war: Zwerchfellriss abgelehnt, aber die funfte Rippe ist in zwei Stücke gerissen und die Schulter lässt sich nur mit Schmerztabletten bewegen. „Ich hatte Glück“, schrieb Silvestri auf Instagram – und meinte damit vermutlich, dass sie noch atmen kann, ohne dass die Knochen die Lunge durchbohren.

Kopecky nutzt das chaos
Im Finale fehlten mit Silvestri, Niewiadoma und drei weiteren Favoritinnen plötzlich fünf Körper, die normaler die Windverhältnisse auf der Via Roma bestimmen. Lotte Kopecky spurtete ungefährdet gegen Noemi Rüegg und holte ihren zweiten WorldTour-Sieg in diesem Frühjahr. „Ich habe Debora im Kopf gehabt, als ich über die Linie fuhr“, sagte die Belgierin. „Diese Siege schmecken nicht, wenn jemand im Krankenhaus liegt.“
Die UCI hat den Vorfall bereits an die Sicherheitskommission weitergeleitet. Die Cipressa-Abfahrt ist 2,1 Kilometer lang, hat zwei 180-Grad-Kehren und eine Breite von maximal acht Metern – bei Tempo 70. Eine Leitplanke aus Stahl, keine Airfence, keine Fangzaun-Alternative. Die Organisatoren von RCS Sport wollten sich gestern nicht äußern, kündigten aber „eine interne Prüfung“ an.
Für Silvestri beginnt jetzt ein Winter im Frühling. Drei Wochen Bettruhe, danach Aufbau. Die Giro Donne im Juli ist ihr großes Ziel – und vielleicht fährt sie dann wieder genau diese Kurve, nur mit ein paar Metern mehr Stahl zwischen Asphalt und Abgrund.
