High-tech-einlage stoppt stürze: briten rüsten senioren-schuhe auf

Ein Versprechen an einen 89-jährigen Mentor wird zur Rettung für Millionen: Jiayang Li baut Sensoren in Alltagsschuhe ein, bevor der erste Knochen bricht.

Die zahl, die niemand erträgt

Jeder fünfte Deutsche über 65 fällt mindestens einmal im Jahr. Ab 80 sind es bereits jeder Zweite. Die Folgen: Hüft-OP, Pflegebett, Verlust der Eigenständigkeit. Das britische Passi-d’Argento-Monitoring nennt das «Sturzrisiko» einfach nur noch «Epidemie».

Li, Halbleiter-Ingenieur in Bristol, drehte den Spieß um. Statt nach dem Sturz zu therapieren, nutzt er die gleiche Technik, die Drohnen stabilisiert: Mikro-IMUs – Beschleunigungsmesser in Schuhgröße. Die Einlage misst 48 Mal pro Sekunde, wie der Fuß aufkommt, wo Druckspitzen entstehen, wann die Balance kippt. Daten wandern per Bluetooth ins Smartphone, ein Algorithmus spuckt in Sekundenbruchteilen einen Ganganalyse-Score aus.

So funktioniert die rettung in echtzeit

So funktioniert die rettung in echtzeit

Der Trick: Nicht die Sohle wird intelligent, sondern die alte Schuhlage. Jeder beliebige Hausschuh wird zur mobilen Labordiagnose. Ergotherapeuten erhalten Diagramme, die zeigen, ob der Patient das Gewicht unbewusst nach links verlagert – typischer Vorboten eines seitlichen Sturzes. Ein paar Gleichgewichtsübungen, ggf. eine andere Schuhform, und das Risiko sinkt laut ersten Probanden um 63 %.

Die Kostenfrage? Unter 120 Euro. Ein Hüftimplantat kostet die Kasse 5 000, die Folgetherapie noch einmal 15 000. Die Mathematik ist schonungslos.

Im Frühjahr startet eine 500-Patienten-Studie in Manchester und Liverpool. Li lacht verschmitzt: «Wenn mein Mentor wieder ohne Stock durch die Laborgänge läuft, ist die Welt für mich komplett.» Die Behörden prüfen bereits die Erstattungsfähigkeit. Die erste deutsche Testgruppe will die TSV Pelkum Senioren-Turnabteilung im Sommer auf die Laufbänder schicken – wir halten den Daumen drückend gedrückt.