E-scooter-unfälle: jedes vierte verletzung erfordert op!

Ein vermeintlicher Segen für die urbane Mobilität verwandelt sich in ein wachsendes Problem: E-Scooter-Unfälle belasten zunehmend die italienischen Krankenhäuser. Neue Zahlen zeigen, dass fast jeder vierte Verletzte eine Operation benötigt – und die Zahl der Unfälle steigt kontinuierlich an. Das Versprechen einer sauberen und effizienten Stadtfortbewegung droht im Chaos der Unfallhäufigkeit unterzugehen.

Junge männer sind hauptrisikogruppe

Eine aktuelle Studie der italienischen Gesellschaft für Orthopädie und Trauma-Chirurgie (OTODI) beleuchtet das Ausmaß der Problematik. Im Zeitraum von 2018 bis 2024 wurden in zwei römischen Traumazentren die Verletzungen von 441 E-Scooter-Unfallopfern analysiert. Das Ergebnis ist alarmierend: 71% der Betroffenen waren Männer, und der Großteil lag im Alter zwischen 15 und 35 Jahren. Ein erschreckender Fakt ist auch die geringe Nutzung von Helmen: Nur 36 von 441 Patienten trugen zum Zeitpunkt des Unfalls einen Helm.

Die häufigsten Verletzungen betreffen Arme und Beine, oft in Form von Frakturen oder Luxationen an Handgelenken, Schienbeinen, Schlüsselbeinen, Knöcheln und Unterschenkeln. Dazu kommen noch häufig Kopf- und Gesichtsverletzungen. 79% der Fälle erfordern eine spezialisierte medizinische Beurteilung, was die Belastung des Gesundheitssystems weiter erhöht. Die Hauptursachen für die Unfälle sind, so die Studie, Unebenheiten im Straßenbelag, glatte Oberflächen und vor allem Ablenkung, beispielsweise durch die Nutzung von Smartphones zur Navigation.

Neue regeln greifen zu kurz

Neue regeln greifen zu kurz

Die italienische Regierung hat mit dem neuen Straßenverkehrsgesetz 2025 versucht, der Situation Herr zu werden. Vorgeschrieben werden nun Helmpflicht, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Versicherungspflicht und Kennzeichen für E-Scooter. Doch die Autoren der OTODI-Studie sehen darin nur eine unzureichende Lösung. Die Reduzierung der Verletzungen erfordert einen umfassenderen Ansatz, der auch die Infrastruktur berücksichtigt.

„Es reicht nicht aus, nur die Nutzer zu regulieren“, so ein Sprecher der OTODI. „Wir brauchen sicherere Straßen, eine regelmäßige Instandhaltung, dedizierte Fahrspuren und vor allem eine größere Eigenverantwortung der Fahrer.“ Die Zahl der jährlichen E-Scooter-Unfälle in Italien steigt stetig und fordert bereits jedes Jahr dutzende Todesopfer. Die Hoffnung ruht nun auf einer konsequenten Umsetzung der neuen Regeln und einer grundsätzlichen Überprüfung der städtischen Infrastruktur. Die Leichtigkeit und Flexibilität der E-Scooter dürfen nicht den Preis der Sicherheit haben.

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Zwischen Juni und September, den Sommermonaten, stieg die Zahl der Unfälle um 63%. Die Feierabendzeit am Freitag ist besonders gefährlich. Die Illusion, dass der E-Scooter die Lösung für alle Mobilitätsprobleme darstellt, muss endlich absterben. Die Realität ist, dass unkontrollierte Geschwindigkeit und Nachlässigkeit auf unseren Straßen einen hohen Preis fordern – und dieser Preis wird immer wieder in Form von Verletzten und Toten bezahlt.