Tour de france: der legendäre tourmalet fordert die favoriten heraus!
Die sechste Etappe des diesjährigen Tour de France wird von einem einzigen, monumentalen Anstieg geprägt: Der Col du Tourmalet. Ein Name, der in der Geschichte des Radsports für Dramatik, Leid und unvergessliche Momente steht. Und dieses Jahr erleben wir ihn erneut, zum 89. Mal im Parcours der Grande Boucle.
Ein telegramm, eine legende: die entstehung des mythos
Die Geschichte des Tourmalet im Tour de France beginnt mit einer Mischung aus Beharrlichkeit und einem gewagten Wette, erzählt man sich. 1910, Henri Desgrange, der Gründer der Tour, zögerte, die Pyrenäen in die Strecke aufzunehmen. Die Berge schienen ihm schlichtweg zu wild. Doch Adolphe Steinès, sein Zeichner, ließ nicht locker. Er versprach, die Machbarkeit zu beweisen – und schickte Desgrange ein Telegramm, das bis heute umstritten ist: „Arrivé à pied au Tourmalet. Route praticable aux véhicules.“ (Angekommen zu Fuß am Tourmalet. Straße befahrbar für Fahrzeuge.) Ob das stimmt? Wenig spielt das eine Rolle. Der Tourmalet war geboren.
Die Bedingungen damals waren unvorstellbar. 326 Kilometer, vier anspruchsvolle Pässe, unbefestigte Straßen, Fahrräder, die über 15 Kilo wogen, und ein einziger Gang. Octave Lapize, der damalige Sieger, soll bei der Überquerung des Passes den Organisatoren die unvergesslichen Worte zugerufen haben: „Vous êtes des assassins!“ (Ihr seid Mörder!). Ein Ausdruck der Erschöpfung und des Respekts vor der unbarmherzigen Herausforderung.

Vingegaard, pogacar und die anderen: die jagd nach goddet
Heute ist der Tourmalet mehr als nur ein Berg. Er ist ein Denkmal, ein Symbol für die Widerstandsfähigkeit und den unbändigen Willen der Radfahrer. Die heutige Etappe, Pau-Gavernie Gèdre (186 km), führt über die steile Nordseite des Passes, die von La Mongie aus ansteigt. 17,1 Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,3 Prozent und einigen Abschnitten mit bis zu 10 Prozent. Wer am ersten Gipfel steht, gewinnt den Souvenir Jacques Goddet, eine Auszeichnung, die an den legendären Rennleiter erinnert.
Jonas Vingegaard hält derzeit den Rekord für die beste Zeit auf dieser Seite des Tourmalet, mit 45 Minuten und 11 Sekunden. Aber Tadej Pogacar, Mathieu van der Poel und andere ambitionierte Fahrer werden alles daran setzen, diesen zu brechen. Das Rennen wird zeigen, wer die Kraft hat, diesen Giganten zu bezwingen.
Doch der Tourmalet ist nur ein Teil der Herausforderung. Vor ihm warten bereits der Col d'Aspin, der Peyresourde und der Aubisque, die in früheren Jahren den Beinamen „Runde des Todes“ verdienten. Selbst mit modernen Carbonrädern und elektronischen Schaltungen sind diese Anstiege eine Zerreißprobe für jeden Fahrer.

Italienische helden am tourmalet
Auch italienische Radfahrer haben ihre glorreichen Momente am Tourmalet erlebt. Ottavio Bottecchia triumphierte 1924 mit einem beeindruckenden Sololauf, während Gino Bartali 1938 die Strapazen überstand. Auch Fausto Coppi, der „Gräfe des Radsports“, zeigte seine Klasse mit Siegen in den Jahren 1949 und 1952.
Die Geschichte des Tourmalet ist somit untrennbar mit der Geschichte des Radsports verbunden. Er ist ein Ort der Legenden, der Heldentaten und der menschlichen Grenzen. Und die sechste Etappe des Tour de France verspricht erneut ein unvergessliches Kapitel in diesem faszinierenden Buch.
