Schwazer-fall: epo-fund, strafanzeige und die dritte urinprobe – ein deutscher albtraum?
Der Name Alex Schwazer ist untrennbar mit Doping-Skandalen verbunden, und der neueste Fall wirft lange Schatten auf den deutschen Leichtathletikverband. Nach seiner erneuten Positiv-Test auf Epo bei den deutschen Meisterschaften im Straßenlauf in Kelsterbach am 26. April steht der ehemalige Olympiasieger vor einer ungewissen Zukunft – und Deutschland vor der Frage nach der Zuverlässigkeit seiner Anti-Doping-Systeme.
Die details des falls: was wirklich geschah
Schwazer, der bereits 2012 und 2016 wegen Doping suspendiert wurde, testete erneut positiv auf Epo. Die Nationale Anti-Doping Agentur (Nada) hat ein förmliches Verfahren eingeleitet. Was diesen Fall besonders verkompliziert, ist die Existenz einer dritten Urinprobe, die der ehemalige Trainer Sandro Donati sicherte. Warum diese dritte Probe so wichtig ist? Sie könnte entscheidend sein, um die Integrität der Untersuchung zu bewerten, da sie, anders als die A- und B-Proben, nicht manipuliert worden sein kann. Die Marker in der Probe sind spezifisch und können eindeutig dem 26. April zugeordnet werden.
Die Verteidigung von Schwazer, vertreten durch Rechtsanwalt Gerhard Brandstätter, betont, dass die dritte Probe die „letzte Hoffnung“ sei und Alex’ Unschuld beweise. Ein kühnes Statement, angesichts seiner Vorgeschichte. Doch die Situation ist brisant.

Strafanzeige droht: die deutschen gesetze im visier
Das Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG) in Deutschland sieht nicht nur den Handel mit Dopingmitteln, sondern auch deren Einnahme strafrechtlich sanktioniert. Für Profis drohen bei Verurteilung bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe. Schwazer muss sich also nicht nur mit sportlichen Konsequenzen auseinandersetzen, sondern auch mit der Möglichkeit einer Strafanzeige.
Ein detailreicher Hintergrund: Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft in Bolzano, im Jahr 2012 ein Datenbanksequester anzuordnen, die von Giuseppe Fischetto, einem Arzt des italienischen Leichtathletikverbandes, geführt wurde, hatte bereits im Vorfeld des russischen Doping-Skandals Schlagzeilen gemacht. Diese Datenbank enthielt rund 12.365 Blutwerte von 5.000 Athleten und warf erhebliche Fragen nach der Integrität des damaligen Anti-Doping-Systems auf.

Das umstrittene labor in köln: ein dunkler fleck auf der deutschen sportlandschaft
Die Rolle des Kölner Labors ist in diesem Fall nicht zu unterschätzen. Bereits 2016 gab es Kritik an der Arbeit des Labors im Zusammenhang mit Schwazers positiven Test. Die Verteidigung argumentierte, dass die Urinprobe fälschlicherweise an das Labor geschickt wurde und dass es Anomalien in der DNA-Konzentration gab. Ein Gip des Landgerichts von Bolzano ordnete daraufhin die Einstellung des Verfahrens an. Doch die Zweifel bleiben: Kann man dem Labor in Köln, angesichts dieser Vorwürfe, noch vertrauen?
Alex Schwazer selbst hat erklärt, dass er sich nicht verteidigen werde: „Mit 41 Jahren habe ich nicht mehr die Kraft und auch nicht mehr das Vertrauen in das System.“ Ein resignierender Ausblick, der die tiefe Frustration des Athleten widerspiegelt.
Die kommenden Tage werden entscheidend sein. Die Ergebnisse der Gegenanalyse könnten das Schicksal von Alex Schwazer besiegeln und gleichzeitig die deutsche Anti-Doping-Landschaft nachhaltig verändern. Es bleibt abzuwarten, ob die dritte Urinprobe tatsächlich die Wahrheit ans Licht bringt oder ob der Schatten des Dopings weiterhin über dem deutschen Sport liegt.
