Der tag, an dem cassius clay aufhörte zu existieren
Es war kein sportlicher
Triumph, der die Welt an diesem 6. März 1964 aufhorchen ließ. Kein Knockout, kein Titelgewinn. Es war ein Name. Vier Silben, die die Geschichte des Sports für immer verändern sollten: Muhammad Ali.Vom olympiasieger zum unbequemen: die verwandlung eines jahrhundertsportlers
Nur wenige Tage zuvor hatte der damals noch als Cassius Clay bekannte Boxer die Sportwelt in Aufruhr versetzt. Als krasser Außenseiter bezwang er Ende Februar Sonny Liston und riss sich damit den Schwergewichts-WM-Gürtel. Das Staunen war groß. Der Schock danach noch größer. Denn Clay bekannte sich öffentlich zur Nation of Islam — einer Bewegung, die im Amerika jener Jahre alles andere als salonfähig war.
Elijah Muhammad, der Anführer dieser radikalen Organisation, verkündete dann am 6. März offiziell: Der Olympiasieger von Rom 1960 trägt fortan den Namen Muhammad Ali. Kein Spitzname, keine Marketingstrategie. Ein Glaubensbekenntnis. Eine Kampfansage an ein Amerika, das von Bürgerrechtsbewegungen erschüttert wurde.

Vier jahre schweigen, die lauter waren als jeder kampf
Wer glaubte, das sei bloß eine Phase, wurde 1967 eines Besseren belehrt. Ali verweigerte den Einberufungsbefehl für den Vietnam-Krieg. Seine Begründung war so einfach wie kompromisslos: Seine Religion verbiete es ihm, in einem Krieg zu kämpfen, den er für ungerecht hielt. Die Konsequenz war brutal. Weltmeistertitel aberkannt. Boxlizenz entzogen. Über vier Jahre Berufsverbot — in seinen besten Jahren als Athlet.
Der Oberste Gerichtshof der USA gab ihm schließlich recht. 1970 bestieg Ali wieder den Ring. Was folgte, gehört zum Heiligsten, was der Boxsport je gesehen hat: der Rumble in the Jungle gegen George Foreman in Zaire, der Thrilla in Manila gegen Joe Frazier. Kämpfe, die nicht nach Punkten bewertet werden können.

Der moment, der alles zusammenfasst
Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta zitterten Alis Hände, als er die olympische Flamme entzündete. Der Parkinson hatte ihn gezeichnet. Doch kein Mensch im Stadion zweifelte daran, wer dort stand. Nicht Cassius Clay, der Junge aus Louisville. Sondern Muhammad Ali — der Größte. Das hatte er sich selbst gegeben. Und niemand hat es ihm je ernsthaft streitig gemacht.
