‘Ndrangheta-netzwerk in italien zerschlagen: ex-ultratäter im visier
Ein Schlag für die italienische Strafverfolgungsbehörden: Bei einer großangelegten Razzia wurden landesweit 54 Personen festgenommen, die einem weit verzweigten Drogenhandelssystem der ‘Ndrangheta angehörten. Besonders im Fokus der Ermittlungen stand Marco Ferdico, ein Name, der bereits durch frühere Verstrickungen in die Fußballwelt für Aufsehen sorgte.

Der fall ferdico: vom ultratribünen-boss zum drogenboss
Ferdico, einst als Kopf der Ultras-Szene der Inter Mailand bekannt, verbüßt derzeit eine Haftstrafe von acht Jahren im Zuge der sogenannten „Doppia Curva“-Ermittlungen, die illegale Aktivitäten im Umfeld von Ultras-Gruppen beider Mailänder Vereine aufdeckten. Nun wird ihm vorgeworfen, eine zentrale Rolle im Drogenhandel der ‘Ndrangheta gespielt zu haben, fungierend als Ankerpunkt für den Vertrieb in Mailand und der gesamten Brianza-Region.
Die Staatsanwaltschaft von Catanzaro wirft Ferdico den Verdacht der Beteiligung an einer mafiösen Vereinigung sowie der Verwicklung in den illegalen Drogenhandel vor. Laut Angaben des Staatsanwalts Salvatore Curcio, wurde Ferdico innerhalb der Cosa Nostra als „der Fußballer“ bezeichnet – ein Hinweis auf seine Rolle als wichtiger Ansprechpartner im gesamten Norditalien.
Die Ermittlungen der Drogenermittlungseinheit (DDA) ergaben, dass die ‘Ndrina aus Vibo Valentia die Drogenlieferungen organisierte, die dann über Piemont, Emilia-Romagna und schließlich nach Lombardia gelangten, wo Ferdico die Distribution übernahm. Bei den Durchsuchungen konnten über 410 Kilogramm Marihuana, 1,5 Kilogramm Kokain, aber auch Haschisch, Heroin sowie vier Pistolen, drei Revolver und ein Maschinengewehr sichergestellt werden. Die ‘Ndrangheta nutzte diesen Drogenhandel nicht nur zur Finanzierung ihrer Aktivitäten, sondern auch zur Unterstützung der Familien ihrer inhaftierten Mitglieder – eine Art illegaler Sozialfonds.
Die beteiligten Clans, die Emanuele- und Idà-Familien, agierten dabei synergetisch und übten eine erstickende Kontrolle über ihr Territorium aus. Die Festnahmen zeigen deutlich, wie tief die Wurzeln der ‘Ndrangheta in der italienischen Gesellschaft reichen und wie sie sich immer wieder neue Geschäftsfelder erschließt – auch im Umfeld des populären Fußballs.
Die Zahl der sichergestellten Waffen und die Menge der Drogen sind alarmierend und unterstreichen die schiere Größe und den Einfluss des abgewickelten Netzwerks. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, und es bleibt abzuwarten, welche weiteren Verbindungen ans Licht kommen werden. Der Fall Ferdico ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie kriminelle Strukturen in der Lage sind, sich hinter vermeintlich harmlosen Fassaden zu verstecken und die Gesellschaft zu untergraben.
