Schlotterbecks zukunft: ricken schickt notsignal nach dementi

Nico Schlotterbeck sagt, es laufe nicht. Lars Ricken sagt, es laufe. Zwischen diesen beiden Sätzen klafft ein Graben, der Borussia Dortmund in den kommenden Wochen wohl noch ordentlich zittern lassen wird.

Nach seinem 2:1 gegen Ghana stolperte der Nationalspieler in die Mixed Zone und schleuderte ein Dementi in die Mikrofone: Keine Einigung, keine Unterschrift, keine Weihnachtsgarantie für die Dortmunder Fans. Stattdessen sprach er von „veränderter Ausgangslage“, weil sein Gesprächspartner Sebastian Kehl den Klub verlassen hat.

Ricken zieht die notbremse – und schwört auf 100-prozent-vertrauen

Lars Ricken, der neue Sport-Geschäftsführer, bekam die Klarstellung mit, während er schon in Stuttgart am Kommentatortisch saß. Kurz vor dem Anpfiff riss er die Klinke in Richtung Kabine. „Wir haben uns am Montag vier Augen gesetzt – ohne Berater, ohne Papierkram, nur Fußball“, berichtet der 49-Jährige. Dabei habe er gemerkt: „Das Vertrauensverhältnis ist zu 100 Prozent intakt.“

Klingt nach Ritterschlag, ist aber ein Rettungsanker. Denn intern weiß man: Schlotterbecks Vertrag läuft 2027 aus, und der Markt wartet bereits mit 20-Millionen-Summen auf Tische in England und Spanien. Verpasst der BVB den Sommer, droht der Abloseverlust – und das mitten in der Sanierung der Kaderstruktur.

Ricken will jetzt „möglichst zeitnah“ weitermachen. Keine Wochenpause, keine Sommerloch-Pause. „Es gibt von Nico eine Erwartungshaltung, vom Verein auch Bedingungen“, sagt er vorsichtig. Offenbar liegt der Klub bei der Gehaltslatte noch unter Schlotterbecks Vorstellung, was angesichts seiner Leistungskurve der vergangenen Monate kein Wunder ist.

Die stimmung im südkurven-herz schwankt zwischen angst und wut

Die stimmung im südkurven-herz schwankt zwischen angst und wut

Die Fans reagieren gespalten. In Foren kursiert das Schlagwort „Weiter-so-Kapitulation“, wenn der nächste Leistungsträger vor dem Absprung steht. Auf der anderen Seite mahnt die Südkurve: „Wer die Knochen hinhält, sollte auch die Wertschätzung kriegen.“ Schlotterbeck hat 84 Zweikämpfe in dieser Saison gewonnen – mehr als jeder andere Dortmunder Feldspieler. Die Statistik schreit nach Gehaltserhöhung.

Rickens Aufgabe ist es, diese Zahlen in neue Annäherungen zu übersetzen. Ohne Kehl, der Schlotterbeck psychologisch einschätzen konnte, muss er selbst zum Analysten werden. „Bis zum letzten Tag – und der ist hoffentlich weit weg – hat er die Knochen hingehalten“, wirbt der Manager. Es klingt wie ein Versprechen, ist aber ein Druckmittel: Zeig uns weiterhin dein Gesicht, dann zeigen wir dir den Kassenbon.

Die Verhandlungen starten neu, bevor überhaupt die Saison halb ist. Ein Zeichen dafür, wie brisant der Fall ist. Verliert Dortmund seinen Abwehrchef, rückt die Tapete in der Innenverteidigung erneut durcheinander. Hummels ist weg, Süle kämpft mit Form und Gewicht, und die Talente Köhler und Özcan sind noch nicht Liga-Liga-reif. Schlotterbeck ist das Zugpferd, das den Karren aus dem Schlamassel zieht.

Beobachter rechnen mit einer Entscheidung vor der EURO 2024. Schlotterbeck will mit klarer Kappe in das Turnier gehen. Der BVB will mit klarer Personalie in die Planung. Wer zuerst blinkt, bestimmt, ob die Geschichte mit Happy End oder mit Transfer-Feuerwerk endet. Eines steht fest: Wenn Ricken jetzt nicht liefert, wird der Sommer heiß – und zwar nicht nur wegen des Wetters.