Real glaubt sich: bayern-sieg nur ein stolperer auf dem weg zum titel
1:2 – ein Kratzer im Lack, kein Beinbruch. Kaum hatte der Schiedsrichter im Bernabéu gepfiffen, flackerte in den WhatsApp-Gruppen Madrilenen schon das Stichwort „Remontada“. Real Madrid, das weiß jeder, der die Champions League länger als zwei Wochen verfolgt, lebt von Historie, nicht von Statistik. Antonio Rüdiger sprach es laut aus: „Wir schenken uns nicht auf.“ Gemeint waren die beiden Gegentore, die er als „Geschenke“ catalogierte. Gemeint war auch: Wir schenken unsere Seele nicht her.

Arbeloa setzt auf den nimbus der königlichen
Trainer Álvaro Arbeloa, selbst noch vor fünf Jahren links außen unterwegs, redet mittlerweile wie ein Historiker. „Wenn ein Klub in der Allianz Arena gewinnen kann, dann Real Madrid.“ Drei der letzten vier Gastspiele in München gingen tatsächlich an die Blancos. Die Bayern-Fans müssen bis April 2012 zurückblättern, um ihren letzten Heimsieg gegen die Spanier zu finden. Arbeloa ballt die Faust: „Ich fahre nach Deutschland, um zu gewinnen. Punkt.“
Die spanische Presse folgt ihm wie selbstverständlich. Marca titelt: „In München braucht es ein Wunder – aber wir haben schon Wunder erlebt.“ Die Zahlen aber flüstern etwas anderes. Fünfmal kassierte Real im heimischen Hinspiel eine Niederlage – und fünfmal war danach Endstation Achtelfinale oder Viertelfinale. Das ist kein Flüstern, das ist ein Brüllen.
Bayern liegt also nicht nur mit einem Tor in Front, sondern auch mit der Geschichte im Rücken. Trotzdem: Wer in der Champions League auf Real Madrid zählt, der wettet gegen die eigene Logik. Das weiß auch Joshua Kimmich, der nach Abpfiff durch den Mixed-Zone-Tross stapfte und nur sagte: „Sie werden kommen. Die wissen genau, wie man eine Arena zum Schweigen bringt.“
Am Dienstag in München wird die Luft dünn. 75.000 Fans, ein Rasen, der nach April-Rasen schmeckt, und eine Real-Elf, die nichts zu verlieren hat – außer vielleicht ihren Mythos. Dann entscheidet sich, ob Rüdigers „Vertrauen“ mehr zählt als die schlichte Tatsache, dass Real bei fünf Heimpleiten immer ausgeschieden ist. Eines steht fest: Entweder schreibt Madrid die nächste Remontada – oder Bayern beendet endgültig diese Serie. Mehr Dramatik geht nicht. Der Ball rollt, die Uhr tickt. Madrid wird kommen. Die Frage ist nur, ob es auch wieder geht.
