Odermatt stolpert, brasilien jubelt: pinheiro braathen erobert riesenslalom-thron

Marco Odermatt patzte, Lucas Pinheiro Braathen zupfte sich die Krone. Der Schweizer Superstar schied im ersten Lauf des Saisonfinales in Hafjell spektakulär aus – und kassierte prompt die erste Niederlage im Kampf um die kleine Kristallkugel seit 2022.

Die Szene: „Olympia-loypa“, 58 Tore, Eis auf der Sohle. Odermatt legt sich zu tief, trifft ein Tor mit dem Innenski, fliegt. Sekundenbruchteil. Dann der Blick: leer, konsterniert, als hätte ihm jemand den Stecker gezogen. Fünfter Gesamtweltcup in Serie? Check. Kleine Kugeln in Abfahrt und Super-G? Auch schon eingepackt. Aber die Riesenslalom-Herrschaft endet nach vier Jahren – und das gegen einen Mann, der vor zwei Jahren Pause wegen Angststörungen machte.

Pinheiro braathen nutzt die gabe mit kalter präzision

48 Punkte Rückstand vor dem Rennen, 52 Punkte Vorsprung danach. Die Mathematik ist brutal simpel: Der Brasilianer fuhr 1:47,12 Minuten, ließ selbst Loic Meillard (+0,58) hinter sich und schraubte sich auf 605 Punkte. Odermatt blieb bei 553. Die Arena tobte – Skifahren wird eben nicht nur in der Alpenrepublik gespielt.

Keine Retourkutsche, keine Tränen. Pinheiro Braathen schwang sich auf die Bande, küsste die Kugel wie ein altehrwürdiges Familienmitglied. „2023 habe ich im Slalom gewonnen, heute der Riesenslalom – das ist meine Antwort an alle, die gesagt haben, ich wäre nur ein Einser-Spezialist“, sagte er mit diesem leicht verschobenen Lächeln, das man von Pokerass kennt.

Deutsche jagen bestmarken – und kriegen sie mit vollgas

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Anton Grammel fuhr zeitgleich mit Joshua Sturm auf Rang sieben – Karriere-Hoch. Fabian Gratz lag nach Durchgang eins noch in Schlagdistanz zum Podium, rutschte auf Platz zehn. Jonas Stockinger teilte sich Rang elf mit Legende Alexis Pinturault – ebenfalls persönliche Bestmarke. Drei Deutsche in den Top 11, das gab es zuletzt 2015 in Beaver Creek.

Pinturault verabschiedete sich mit Handschlag-Serie und Quietscheentchen im Helm. Der Franzose beendete 14 Jahre Weltcup, holte 34 Siege, prägte eine Ära. Odermatt übernahm danach die Zepter – und muss sie nun kurzzeitig abgeben. Die Devise: Nächster Halt Sölden, Oktober 2026. Neue Saison, neue Rechnung.

Die Bilanz des Schweizers bleibt dennoch absurd: fünf Gesamtweltcups in Folge, drei Abfahrts-, vier Super-G-Kugeln, 35 Einzelsiege in vier Saisons. Aber auch Superhelden haben schlechte Tage. Sonntag in Hafjell war so einer – und genau deshalb lieben wir diesen Sport: Er erlaubt Dramatik, ohne Drehbuch.