Juve-deal geplatzt: elkann zieht sich zurück – was jetzt mit dem klub passiert
Turin – Die Juventus steht ohne Warnung auf dem Abstellgleis. Nach dem Verkauf der „La Stampa“ verkündete Exor-Chef John Elkann gestern Abend, dass er „sämtliche italienischen Non-Core-Bestände neu justiert“. Für Fans klingt das nach Ablösung. Für Finanzprofis nach dem lang erwarteten Ausstieg.
Warum jetzt plötzlich alles offen liegt
Die Signale waren subtil, aber deutlich. Seit Dezember winkte Elkann Tether's 2,4-Milliarden-Offert ab. Stattdessen posierte er im Bianconeri-Hoodie vor dem historischen Bankett des Clubs, gegründet am 1. November 1897. Die Botschaft: „Juve ist nicht käuflich.“ Doch die nächste Generation, sprich: Söhne Leone (19) und Oceano (18), haben keinerlei Stimmrechte in der Giovanni Agnelli BV. Dort hält der Patriarch 41 %, genug, um über Exor 64 % an Juve zu kontrollieren. Die übrigen Familienzweige – verstreut zwischen USA, Schweiz und Brasilien – fordern seit Jahren liquide Mittel. Der Zeitungsverkauf löst die Kasse: 410 Mio. Euro fließen direkt in die Holding. Der Druck sinkt, der Blick richtet sich auf den größten Brocken im Portfolio: Juventus.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Seit 2019 mussten die Aktionäre vier Kapitalerhöhungen ausbaden – 637 Mio. Euro nur von Exor. Die kumulierten Verluste der Juve in fünf Jahren: 847 Mio. Euro. Für eine全球 agierende Investmentgesellschaft, die mittlerweile in Amsterdam domiziliert ist, wirkt der Fußballclub wie ein Bleigewicht. Die Bewertung allerdings könnte Elkann schwächeln lassen. Branchenexperten sehen Juve bei 2,7 bis 3 Mrd. Euro. Für den Konzern wäre das ein Quick-Win, für die Familie ein Abriss ihrer Identität.

Die kinder wollen bleiben – doch der preis bestimmt
Leone Mosé schrieb im offiziellen Centenario-Letter: „Juve ist mehr als Leidenschaft, sie ist meine Heimat.“ Gemeinsam mit Bruder Oceano ist er Stammgast im Allianz Stadium, flankiert von Vater John, der sich inzwischen öfter in Kalifornien zeigt als in Turin. Die Geschwister spielen selbst Fußball, Vita Talita (14) trainiert in Vinovo. Ein Abschied wäre also nicht nur Bilanz, sondern Biografie. Doch selbst Herzblut hat einen Marktpreis. Exor-Analysten rechnen: Verkaufserlös minus Schulden plus Stadionwert ergäbe eine Netto-Bilanz von rund 1,8 Mrd. Und plötzlich klingt 3 Mrd. gar nicht mehr abwegig.
Die nächsten Monate entscheiden. Sollte ein Konsortium aus Silicon-Valley oder Golfstaaten die 3-Milliarden-Schallgrenze knacken, dürfte Elkanns Stimmrechtsblock bröckeln. Exor wäre entlastet, die Agnelli-Dynastie entthront. Die Kids könnten weiterhin auf der Curva sitzen – nur eben als Fans statt als Eigentümer. Für Juve wäre das ein Paradigmenwechsel. Für den italienischen Fußball ein Beben. Die Wette gilt: Wenn der Closing der „La Stampa“ im Juni über die Bühne ist, steht Juve offiziell zum Verkauf. Keine Fan-Proteste, keine Romantik – nur noch harte Zahlen.
