Infantino soll an der Entwicklung einer Fifa Super League beteiligt gewesen sein
Laut Recherchen der britischen Zeitung The Guardian war der Präsident des Fußballweltverbands, Gianni Infantino, 2020 an Gesprächen über die Gründung einer sogenannten Fifa Super League beteiligt. Enthüllungen über Dokumente aus dem Jahr 2020 werfen erneut einen Schatten auf die Führung des Weltfußballverbands.
Giannis Infantinos Politik der Globalisierung
Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2016 verfolgt Infantino eine Politik, die von Gigantismus und Globalisierung geprägt ist. Bereits 2018 unterstützte er ein Angebot eines Investorenkonsortiums unter der Führung von SoftBank aus Japan, das 25 Milliarden US-Dollar in die Erweiterung der Klub-Weltmeisterschaft und die Schaffung einer globalen Nations League investieren wollte. Dieser Plan wurde jedoch vom Fifa-Rat abgelehnt.
Als die Unzufriedenheit der Top-Klubs mit der Struktur des Fußballs während der Pandemie zunahm, soll Infantino den Zeitgeist erkannt und Kontakt zu einigen dieser Klubs aufgenommen haben. Ziel war es, die Machtverhältnisse zu verschieben und die Fifa ins Zentrum des Geschäfts zu stellen, auch wenn dies die Satzung verletzen würde.

Enthüllungen und widersprüchliches Verhalten
Die Guardian veröffentlichte ein Term Sheet (eine nicht bindende Vorvereinbarung) für den Start der „Fifa Super League“. Im April 2021 wurde ein ähnliches Projekt, die Super League, von zwölf Klubs angekündigt, scheiterte jedoch innerhalb weniger Stunden an Protesten.
Infantino hatte sich damals demonstrativ hinter den UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin gestellt und eine geschlossene Super League scharf kritisiert. Die neuen Dokumente zeigen nun, dass er bereits Monate zuvor an Verhandlungen über einen solchen Wettbewerb beteiligt war.

Details des geplanten Projekts
Laut dem Term Sheet hätte die Partnerschaft zwischen Fifa und der Super League mindestens zwölf Jahre gedauert. Es war die Gründung eines Joint Ventures zur Verwaltung der kommerziellen Abläufe für die „Fifa Super League“ und die erweiterte Klub-Weltmeisterschaft geplant, die jährlich über drei Wochen stattfinden sollte. Die Super League hätte eine Damenversion und 15 ständige Mitglieder sowie fünf Klubs gehabt, die sich über bestehende Wettbewerbe qualifizieren würden.
Die Fifa hätte von einem „privilegierten Eigenkapitalanteil“ profitiert und hätte somit das letzte Wort bei Formatänderungen, Kalenderänderungen, Fondverteilung und der Bestellung des CEO gehabt. Parallel dazu war eine Reduzierung der Länderspiel-Windows und der Anzahl der Teams in den nationalen Ligen vorgesehen. So hätte die Fifa die globale Fußballstruktur umgestalten können, ohne die angeschlossenen Verbände zu berücksichtigen.

Die Rolle Infantinos
Die Guardian betont, dass Infantino „unter den Fifa-Mitarbeitern war, die an dem Projekt beteiligt waren und offenbar über den Verlauf der Verhandlungen informiert war.“ Es ist unklar, warum die Vorvereinbarung nicht weiterverfolgt wurde. Quellen zufolge soll Infantino seinen Mitarbeitern später gesagt haben, sie sollten nicht gegen die Institutionen des Fußballs arbeiten.
Die Enthüllungen untermauern den Eindruck, dass Infantino stets versucht hat, den Status quo aufzubrechen und seinen Einflussbereich zu erweitern. Sein jüngster Vorschlag, einen Teil der kommerziellen Vermögenswerte der Fifa an private Investoren zu verkaufen, passt in dieses Bild.
