Carro explodiert nach leverkusen-panne: «espabilad!»

Fernando Carro riss die Kabinentür auf und brüllte sich seine spanische Wut heraus. Espabilad – wach auf! – hallte es durch die Katakomben der BayArena, nachdem Bayer Leverkusen gegen Mainz 05 erneut eine Europa-League-Performance statt Champions-League-Anspruch ablieferte. Das 1:1 war die dritte Pflichtspiel-Pleite in Folge ohne Sieg, nur diesmal gab’s keinen Schlussspurt, sondern einen Boss, der den Spielern die Leviten las.

Der moment, als carro die flucht nach vorn antrat

Normalerweise verlässt der Geschäftsführer nach Abpfiff diskret den Innenraum. Diesmal stürmte er wie ein Mittelstürmer in die Kabine, ließ die Tür krachend ins Schloss fallen und donnerte: «Ihr müsst aufwachen, sonst seid ihr nächste Saison nur noch Fußball-Touristen.» Die Spieler starrten auf die Stollen, keiner fand eine Gegenrede. Denn sie wissen: Die Tabelle lügt nicht. Seit sieben Liga-Spielen wartet Leverkusen auf einen Dreier, der Abstand zu Platz vier wächst statt zu schrumpfen.

Und es gibt eine Zahl, die Carro würgen lässt: vier Punkte aus den letzten fünf Heimspielen. Das ist nicht Europa, das ist Mittelmaß.

Schiri-stieler wird mitverurteilt – doch das ist nur nebengeräusch

Schiri-stieler wird mitverurteilt – doch das ist nur nebengeräusch

Der Klubboss und Trainer Kasper Hjulmand legten sich sogar mit Schiedsrichter Tobias Stieler an. Szene 67.: Patrik Schick wird im Strafraum gehalten, fällt, pfeift Stieler – nichts. Mainz kontert, Becker trifmt zur Führung. Carro: «Klarer Elfmeter. So klar wie das Glas, aus dem ich nach dem Spiel trinke.» Hjulmand schimpfte mit, doch beide wissen: Selbst ein Elfmeter hätte die Lethargie nicht kaschieren können.

Leverkusen spielte 70 Minuten wie ein Team, das sich selbst nicht glaubt. Quansah rettete spät den Punkt, doch das ist wie ein Pflaster auf einem offenen Bruch.

Die woche, die die saison entscheidet

Die woche, die die saison entscheidet

Am Mittwoch Pokal im Volksparkstadion gegen den kriselnden HSV, am Samstag in Freiburg. Carro ließ keinen Zweifel: «Wenn wir dort nicht drei Punkte holen, müssen wir im April über die Königsklasse reden, als wäre sie ein Märchen.» Die Spieler haben seinen Lautstärke-Weckruf vernommen. Ob sie ihn verstanden haben, zeigt sich nicht in Worten, sondern in Laufleistung und Torschüssen.

Janis Blaswich brachte es auf den Punkt: «Die Stimmung? Stellen Sie sich vor, Ihr Chef hätte Ihnen eben die Meinung gesagt – nur mit 50 000 Zeugen.»

Leverkusen schlief in der vergangenen Saison einmal ein und schlief sich bis zur Meisterschaft. Diesmal droht das Gegenteil: Wer zu spät aufwacht, verspielt nicht nur Punkte, sondern ganze Zukunftskonzepte. Carro wird nicht ewig brüllen. Irgendwann kauft er sich einfach neue Wecker.