Bologna zahlt fast 80.000 euro für zerstörte autoscheiben

Die Stadt Bologna hat ein Problem, das sich in Zahlen kaum verstecken lässt: 606 Anträge auf Entschädigung für mutwillig zerstörte Autoscheiben gingen bei der Stadtverwaltung ein. 495 davon wurden bewilligt. Die Gesamtsumme, die aus der Stadtkasse fließt: 79.993,20 Euro. Das ist kein Kavaliersdelikt mehr. Das ist ein Stadtproblem.

Wie es dazu kam: vandalismus als wachsende bedrohung

Alles begann mit einem ersten Ausschreibungsverfahren, das die Stadt Bologna am 22. April 2025 veröffentlichte. Ursprünglich standen gerade einmal 30.000 Euro bereit, gedacht für Bürgerinnen und Bürger, deren Fahrzeuge auf öffentlichen Parkplätzen durch Vandalismus beschädigt worden waren. Was dann folgte, überraschte selbst die Verantwortlichen.

Die Stadträtin für integrierte urbane Sicherheit, Matilde Madrid, brachte es im Februar 2025 auf den Punkt: Man liege deutlich über dem Niveau der Vorjahre. Und das Irritierende dabei sei, dass immer seltener tatsächlich etwas gestohlen werde. Die Scheiben werden eingeschlagen, und dann passiert nichts. Kein Diebstahl. Nur Zerstörung. Madrid sprach offen von einem möglichen Nachahmungseffekt, einem Phänomen, das sich selbst nährt.

Zwei verfahren, eine bittere bilanz

Zwei verfahren, eine bittere bilanz

Am 8. Oktober meldete der Palazzo d'Accursio, dass bereits 185 Anträge aus dem ersten Verfahren akzeptiert worden seien, und öffnete gleichzeitig ein zweites Verfahren. Auf der Warteliste standen zu diesem Zeitpunkt bereits 307 weitere Fälle. Die Nachfrage überstieg das Budget bei weitem.

Die Bedingungen für eine Entschädigung waren klar definiert: Der Antragsteller musste Eigentümer des beschädigten Fahrzeugs sein, durfte in den vergangenen zwölf Monaten keine ähnliche Förderung erhalten haben und musste nachweisen, dass keine Kaskoversicherung für den Schaden aufkam. Wer all das erfüllte, bekam 70 Prozent der nachgewiesenen Reparaturkosten erstattet, maximal jedoch 250 Euro pro Antrag.

Die stadtteile, die am härtesten getroffen wurden

Die stadtteile, die am härtesten getroffen wurden

Giovanna Conza, Fraktionsvorsitzende von Fratelli d'Italia im Stadtbezirk San Donato-San Vitale, veröffentlichte die Verteilung der Anträge nach Stadtteilen. Das Ergebnis ist eindeutig: Allein aus dem Stadtteil Navile kamen 309 Anträge, also mehr als die Hälfte aller eingereichten Fälle. Dahinter folgen San Donato-San Vitale mit 93 und Porto-Saragozza mit 92 Anträgen. Alle drei Stadtteile liegen in unmittelbarer Nähe zum historischen Zentrum.

Die politischen Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Während ein Teil der Stadtpolitik die schnelle Reaktion der Verwaltung lobt, fordert die Opposition unter Bürgermeister Matteo Lepore mehr Prävention statt Entschädigung. Der Unterschied ist nicht trivial: Wer zahlt, löst das Problem nicht. Er verwaltet es nur.

Fast 80.000 Euro für zerstörte Scheiben. Bologna hat gezeigt, dass es seinen Bürgern helfen kann. Ob es den Vandalen stoppen kann, ist eine ganz andere Geschichte.