Gerd schönfelder: boykott der paralympics-eröffnung ist ein schlag ins gesicht des ipc
Gerd Schönfelder hat 16 Goldmedaillen, sechs Paralympics hinter sich – und jetzt eine klare Meinung. Der deutsche Ski-Legende nennt den Boykott der Eröffnungsfeier in Verona „das richtige Zeichen“. Kein Einmarsch, keine Hymne, keine Show. Stattdessen: ein leeres Stadion, ein politischer Akt und ein IPC, das gerade seine Glaubwürdigkeit verspielt.
Warum russland unter eigener flagge ein schlag ins gesicht ist
Das Internationale Paralympische Komitee hat entschieden: Russland und Belarus dürfen unter ihrer Nationalflagge starten. Für Schönfelder ein „No-Go“. Während das IOC bei Olympia noch auf Neutralität setzte, öffnet das IPC hier die Tür – und zwar weit. „Das kann es einfach nicht sein“, sagt er im BR24-Interview. Nicht nach dem Angriffskrieg, nicht nach den Verletzten, nicht nach den tausenden Toten. Die Entscheidung ist nicht nur politisch, sie ist moralisch brisant.
Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) zog die Reißleine. Keine Athleten in der Arena. Keine Fahnen, keine Fotos, keine Showeinlagen. Marc Möllmann, Chef de Mission, spricht von „respektvollem Zeichen“ – aber auch von Logik. Am Tag nach der Feier beginnen die Wettkämpfe. Wer da noch tanzt, hat morgen keine Beine mehr.

Zwöhn länder bleiben fern – die feier wird zur farce
Die Ukraine boykottiert. Kanada auch. Finnland, Tschechien, Deutschland. Insgesamt neun Nationen. Ohne Athleten wird die Eröffnung zur „Geburtstagsfeier ohne Geburtstagskind“, wie Schönfelder es nennt. Ein Spektakel ohne Protagonisten. Eine Inszenierung ohne Seele. Die Veranstalter in Verona planen trotzdem weiter, aber die Leere wird spürbar sein. Kein Jubel, keine Tränen, keine Momente, die man sich merkt.
Schönfelder selbst weiß, wie sehr so eine Zeremonie kicken kann. 1998 in Nagano trug er die deutsche Fahne. „Das hat in mir nochmal so richtig die Motivation hochgefahren“, sagt er. Die Bilder, die Stimmung, das Publikum – alles wurde zur Kraftquelle. Genau dieses Gefühl wird den deutschen Athleten in Verona fehlen. Aber sie haben ihre Ehre. Und die wiegt mehr als ein Fackelzug.

Das ipc steht am scheideweg – und spielt mit dem feuer
Die Frage ist nicht mehr, ob Sport und Politik zusammengehören. Die Frage ist: Wer trägt die Verantwortung? Das IPC hat sich für „Offenheit“ entschieden – und damit für eine Spaltung. Schönfelder hofft auf einen Dominoeffekt. „Wenn viele Nationen diesem Beispiel folgen, wird es andere Entscheidungen geben.“ Keine Drohung, nur eine Feststellung. Druck entsteht nicht durch Worte, sondern durch Abwesenheit.
Die Paralympics 2026 stehen unter einem schlechten Stern. Nicht wegen der Athleten. Sondern wegen derer, die sie eigentlich schützen sollten. Am Freitag wird die Arena leer sein. Und das ist keine Tragödie – das ist eine Geste. Eine, die wehtut. Und eine, die bleibt.
