Genoa wirft alte trikots in den up-cycling-loop – und kreiert limitierte streetwear
15 Trikots, drei Spielzeiten, ein Künstler. Genoa Cricket and Football Club lässt seine Erinnerungen nicht im Schrank verstauben, sondern schneidert sie zu Modestücken neu. Die Aktion „Re:Generations Jersey“ startet heute mit einer Online-Versteigerung, deren Erlös teilweise an die Alzheimer-Hilfe Afma Genova fließt.
So entstand die kollektion aus erinnerungsfetzen
Marcello Pipitone schnitt die Original-Matchworn-Shirts der Saisonen 2021-2024 auseinander, vernähte Rossoblù-Stoff mit weißen Bahnen und setzte dabei jeden Fleck, jede Grasnarbe in Szene. Das Ergebnis: patchworkartige Jerseys, die zwischen Fankult und Catwalk pendeln. Partner Kappa lieferte die technische Strickgrundlage, Energieversorger Pulsee Luce e Gas finanzierte das Projekt und erntet Image-Punkte für Nachhaltigkeit.
Genoa-Manager Flavio Ricciardella sieht darin einen Dreifach-Score: „Bewahren wir Tradition, schaffen wir neue Einnahmen und helfen wir Menschen, die den Verein nie live erleben werden.“ Der Klub steckt tief in der sozialen Verantwortung; schon 2022 spendete der Verein Einnahmen aus Trikot-Auktionen für die lokalen Tafeln. Diesmal richtet sich der Fokus auf Demenzforschung – ein Thema, das in Genuas alternden Quartieren präsent ist.

Warum die aktion heute relevant ist
Serie A kämpft mit sinkenden TV-Geldern und strengen Nachhaltigkeitsvorgaben der UEFA. Klubs müssen neue Einnahmequellen erschließen, ohne Tickets zu verteuern. Die Lösung: Fanartikel mit Mehrwert. Die 15 Einzelstücke gehen für je 300 bis 1.200 Euro weg – ein Preis, der für echte Unique-Stücke moderat wirkt. Parallel verkauft der Verein eine kleine Auflage von 250 Re-Design-Shirts für 89 Euro, produziert aus Reststoffen. Die Marge liegt laut internen Zahlen bei 62 Prozent, deutlich über dem klassischen Fanshop-Artikel.
Bislang meldeten sich Käufer aus 17 Ländern, darunter Japan und Brasilien. Das spricht für die internationale Strahlkraft des roter-und-blauer Doppelkopfes. Experten erwarten, dass weitere Klubs nachziehen. „Up-Cycling ist für Vereine das neue Scouting – nur dass der Rohstoff schon im eigenen Museum hängt“, sagt Sportökonom Fabio Bresciani.
Fazit: Ein 125 Jahre alter Traditionsklub beweist, dass Innovation nicht zwangsläufig Start-ups vorbehalten ist. Wer seine Geschichte recycelt, kann sie neu verkaufen – und dabei Gutes tun. Die Versteigerung läuft noch sieben Tage. Wer danach ein Original will, muss bereit sein, den Preis von morgen zu zahlen.
