Genesis baut ein monster: juncadellas wrc-zwilling soll imola die hypercar-elite ärgern
Ein V8, gemeißelt aus zwei Rallye-Weltmeistermotoren, gepaart mit einem Oreca-Chassis – das klingt nach Motorsünde. Ist es nicht. Der Genesis GMR-001 ist die waghalsigste Antwort auf Toyotas GR010 und Porsches 963, und er rollt am Sonntag erstmals an den Start. Dani Juncadella sitzt im #19er, weiß, dass 17 Hypercars in Imola antreten, und sagt trotzdem: „Wir wollen durchkommen. Punkt.“
Ein motor, der seine wurzeln im schotter hat
Hyundai baut für die Rallye-WM einen 1,6-Liter-Vierzylinder, robust wie ein Panzer. Genesis nahm zwei davon, schweißte sie aneinander und erschuf den G8MR: 3,2 Liter, Biturbo, acht Zylinder in V-Form, ein Triebwerk, das es so nur einmal auf der Welt gibt. 9 000 der 25 000 Testkilometer schaffte der Prototyp ohne Ölverlust, ohne Zündaussetzer, ohne Pleuel in der Boxengasse. Justin Taylor, Chefingenieur, nennt das „ein kleines Wunder“, denn das Projekt ist keine drei Jahre alt.
Die Lackierung ist ebenso schrill wie das Konzept: mattschwarz mit Neonorange, ein Farbverlauf, der an brasilianische Nachtclubs erinnert. Wer den Wagen verliert, hat ihn trotzdem sofort wiedergefunden. Im Cockpit teilt sich Juncadella das Lenkrad mit Mathieu Jaminet und Paul-Loup Chatin, beide Porsche-Factory-Gewinner. Das zweite Auto (#17) lenken André Lotterer, Pipo Derani und der 19-jährige Mathys Jaubert. Jamie Chadwick, drei Mal W-Series-Champion, sitzt als Reserve bereit. Kommandiert wird das Ganze von Gabriele Tarquini – ja, der Italiener, der einst Senna in der Tourenwagen-WM ärgerte – und von Cyril Abiteboul, dem Ex-Renault-F1-Boss, der bei Hyundai schon die Rallye-Abteilung aufräumte.

Prolog statt prologe: imola wird zur schaltzentrale
Statt Katar, wegen des iranischen Konflikts, hostet der Autodromo Internazionale Enzo e Ferrari nun den Saisonauftakt. Am 15. April misst sich die Hypercar-Flotte im Prolog, vier Tage später zählt die Stoppuhr. Genesis hat keine Siegphantasien. „Erst mal ankommen“, sagt Juncadella, „dann schauen wir, wo wir die Reifen platt bekommen.“ Die Konkurrenz lacht nicht mehr. Wer 25 000 Kilometer testet, ohne das Getriebe zu sprengen, der meint es ernst.
Die Zahl, die bleibt: 680 PS aus einem Selbstbau-Motor, der eigentlich gar nicht existieren dürfte. Wenn der GMR-001 in der Hyperpole auftaucht, wird die Boxengasse still. Nicht wegen des Sounds – der klingt wie ein wütender Staubsauger – sondern wegen der Story. Ein Rallye-Herz in einem Le-Mans-Körper. Mal sehen, wie lange es durchhält. Fünf Stunden, 15 Stunden, 24 Stunden? Juncadella zuckt mit den Schultern: „Länger als die Konkurrenz – das wäre schon ein Sieg.“
