Geheim gelüftet: dsv-springer kennen neuen bundestrainer – verkündung läuft
Es roch nach Finale, nach Abschied, nach Tränen – und nach einer Bombe. Kaum hatte Pius Paschke sich am Sonntag in Planica in die Luft geschraubt, rutschte ihm die Wahrheit raus: Der neue Skisprung-Bundestrainer steht fest. „Seit gestern“, sagte er im ZDF, „aber das ist jetzt noch intern.“ Die Mauern der Schweigepflicht wackeln. Der Verband schweigt, die Athleten nicht mehr lange.
Geiger lacht, horngacher duckt sich
Karl Geiger, Skiflug-Weltmeister und passioniertes Schweigen, wurde direkt hinterher gebeten, endlich einen Namen zu nennen. Er schmetterte keine Antwort, aber ein Satz reichte: „Ich bin zufrieden mit der Wahl, ja.“ Dann lachte er, so als hätte er schon die erste Trainingseinheit des nächsten Jahres im Kopf. Der Mann, der in Stefan Horngachers Fußstapfen tritt, muss offenbar nur noch per Pressemitteilung aus der Tasche gelüftet werden.
Horngacher selbst, sieben Jahre lang Chef, sieben Jahre lang Erfolgsphysiognomie der deutschen Schanze, winkte demonstrativ ab. Auf die Frage nach dem Nachfolger: „Kein Kommentar.“ Aber er wird bleiben, irgendwie. „Ich kann nichts anderes“, sagte der 56-Jährige, „das Fieber ist drin.“ Die Infection nennt man das in der Szene, ein Virus, das man sich mit 10 Jahren zieht und nie wieder loswird.

Der countdown läuft: olympia-sieger raimund als indiz
Verbandschef Wolfgang Maier will die Entscheidung „in Kürze“ bekanntgeben. Intern kursiert ein Datum: 5. April, 10 Uhr, Frankfurter Presseclub. Dort soll der neue Mann neben Philipp Raimund sitzen – passend, denn der Olympiasieger gilt als Zugpferd des Kaders und intern schon als Stimme des Teams. Wer mit Raimund kann, kann das Team führen. Das ist die Rechnung.
Die Buchmacher setzen auf zwei Namen: Andreas Wellinger, 28, Weltmeister, Sprungtechnik-Freak, spricht fließend Athleten-Englisch. Und Michael Uhrmann, 41, Ex-Springer, Co-Trainer, der die Talente schon jetzt beim Vornamen kennt. Wellinger wäre der Jung-Revolutionär, Uhrmann die Kontinuitätsvariante. Entscheidend ist, wer das egalitäre Klima behält, das Horngacher erfunden hat: Leistung vor Larifari, Team vor Einzelkämpfer.
Die Athleten haben gewählt, der Verband nur noch die Bühne aufzubauen. Wenn am 5. April der Vorhang fällt, wird die Skisprung-Welt einen neuen Königshof haben – und Stefan Horngacher wird auf der Tribüne sitzen, das Fieber im Blut, das Schweigen gebrochen. Die Saison ist zu Ende, der Drehbuchwechsel beginnt. Die nächste Flugphase startet ohne ihn, aber mit seiner DNA. Der Countdown läuft, die Latte liegt bereits auf 140 Metern.
