Gassmann steht vor dem scherbenhaufen seiner vergangenheit
Heute Nacht schlägt Anwalt
Guido Guerrieri in Bari erneut die Bücher auf – und diesmal steht seine eigene Box-Card auf dem Spiel. Nach dem Tod seines Mentor Corsano muss er beweisen, dass Gerechtigkeit mehr ist als ein Sieg vor Gericht.3,3 Millionen Zuschauer saßen letzten Montag fest, als Rai 1 die Quote auf 19,6 Prozent hochboxte. Die Serie „Guerrieri – La regola dell’equilibrio“ hat sich damit zur erfolgsverwöhnten Primadonna des Senders gemausert. Doch hinter den glänzenden Zahlen lauert ein Mann, der nachts durch die Altstadt joggt, weil er seine Wohnung nicht mehr als Zuhause empfindet.
Alessandro gassmann liefert die beste performance seiner karriere
Der 61-Jährige trägt die Rolle des einsamen Strafverteidigers wie ein maßgeschneidertes Sakko: perfekt sitzend, aber mit Falten, die man nicht weg bügeln kann. In der heutigen Folge muss er einen Mandanten verteidigen, der denselben Vorwurf erntet, den Guerrieri selbst ins Gesicht geschrieben trägt: Versagen in der Pflicht.
Die Kamera schwenkt über Bari, und plötzlich wirkt die Stadt wie ein Boxring ohne Seile – jeder Schritt kann zur Falle werden. Regisseur Cinzia TH Torrini nutzt die Puglische Architektur als zusätzlichen Gegner: Steine, die Hitze speichern, Gassen, die Lügen echoen.
Die literarische Vorlage liefert Gianrico Carofiglio, ehemaliger Antimafia-Staatsanwalt. Er schreibt Dialoge, die klingen, als hätten sie sich vor Gericht selbst angeklagt. Wenn Guerrieri seinen Klienten fragt: „Hast du jemals das Gefühl gehabt, dass die Wahrheit dich vor Gericht retten wird?“, dann ist das keine rhetorische Frage – es ist ein Geständnis.

Die quote wird steigen, doch der preis ist höher
RaiPlay meldet bereits 40-prozentige Zuwächse im Vorabzugriff. Die Streaming-Zahlen sind das neue K.o.-System: wer dort landet, bleibt liegen. Doch die Serie riskiert, sich selbst zu überholen. Je mehr Zuschauer kommen, desto lauter wird die Frage, ob Guerrieri am Ende noch Anwalt oder bereits Richter über sich selbst ist.
Um 21.30 Uhr geht’s los. Wer sich einstellt, sollte die Handschuhe nicht vergessen – es wird wieder einmal auf Punkt geboxt, und die Glocken läuten lange nach dem Abspann.
