Leipzig gegen augsburg: das 0:6 ist vergangenheit – baum hat die schwaben wieder scharf gemacht

RB Leipzig empfängt den FC Augsburg – und plötzlich ist aus der Beute ein Biss geworden. Nach dem 6:0 im Hinspiel wirkt der Gegner wie ausgewechselt: Manuell Baum hat die Mannschaft in drei Monaten von der Abstiegszone in die obere Tabellenhälfte gecoacht, nur eine Niederlage in den letzten acht Spielen. Ole Werner weiß, dass sein Team „das absolute Leistungsmaximum“ abrufen muss, um nicht selbst zum Abschuss zu werden.

Warum leipzig trotz höchst-sieg mit respekt ran geht

Die Zahlen lügen nicht: Leipzig dominiert Ballbesitz, schafft Chancen im Minutentakt – und versenkt zu wenig. Die Effizienz ist das unterschiedliche Moment, das Werner in jeder Pressekonferenz wieder anschneidet. Gegen Dortmund (2:2) und Wolfsburg (1:1) spielten seine Profis sich um den Rasen, gingen mit leeren Händen vom Platz. Der 3:1 in Hamburg war ein Befreiungsschlag, aber keine Erlösung.

Augsburg dagegen trifft fast aus jeder zweiten großen Chance. Beim 2:1 in München schlug der FCA Bayern mit nur 32 Prozent Ballbesitz – ein Lehrstück für kalte Räume und schnelle Umkehr. Baum hat eine 5-4-1-Pressingvariante installiert, die Leipziger Halbräume zustellt und Konter über Ruben Vargas und Phillip Tietz lenkt. „Die kennen ihre Rollen, wir müssen sie ihnen nehmen“, sagt Werner knapp.

Die baum-revolution in 90 tagen

Die baum-revolution in 90 tagen

Als Sandro Wagner im Dezember entlassen wurde, stand Augsburg auf Platz 16, mit 13 Gegentoren in vier Spielen und einer Offensive, die sich selbst nicht mehr verstand. Baum kehrte zurück, stellte um auf doppelt verankerte Außenverteidiger und ließ das Mittelfeld tiefer fallen. Ergebnis: nur noch sieben Gegentreffer in den letzten zehn Partien, dafür 18 Punkte und ein 8:0-Sprint Richtung Europa-League-Ränge.

Ein Schlüssel ist die Libero-Light-Variante mit Felix Uduokhai, der statt zu flanken lieber diagonal in den Sturm schlägt – genau die Lücke, die Leipzig in der eigenen Hintermannschaft offen lässt, wenn die Sechs nach vorne rückt. „Wenn wir den Ball verlieren, sind wir sofort in der Überzahl“, erklärte Baum nach dem Sieg in München. Werner hat Videoschnipsel dieser Szene mehrfach analysiert, die Botschaft an seine Außen: „Rückkehr muss schneller sein als der Pass“.

Personelle achterbahn bei rb

Personelle achterbahn bei rb

Gulacsi, Schlager, Nedeljkovic und Ouedraogo fehlen weiterhin. Letzterer gibt Hoffnung: Kniekehle stabil, Lauftraining ohne Schmerz, Einsatz nach Länderspielpause Anfang April möglich. Janis Blaswich steht im Tor, im Mittelfeld wird Xavi Simmons wohl wieder nach rechts außen rücken, damit Amadou Haidara die Sechser-Position neben Castello Lukeba sichert. Die Frage lautet: Wer wird die Torgefahr übernehmen?

Yussuf Poulsen lieferte in Hamburg den Assist, doch seine xG-Ausbeute liegt bei nur 0,22 Toren pro 90 Minuten. Loïs Openda zwar top in der Vertikalen, aber seit fünf Spielen ohne Treffer. Werner will beide spielen lassen, verlangt aber kalte Abschlüsse: „Wir schießen 17-mal, treffen aber nur zweimal. Augsburg schießt fünfmal und trifft doppelt. Da liegt der Unterschied.“

Leipzigs letzte saison-wende liegt im kleinen sechzehner

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Die Statistik ist eindeutig: In den letzten vier Heimspielen kassierte RB erst vier Gegentore, erzielte aber auch nur fünf Treffer. Der Ballgewinn-Zone vor dem eigenen Strafraum funktioniert, doch die Veredelungszone darin versagt. Werner ließ diese Woche Überzahlsituationen 4 gegen 3 trainieren – mit klarem Ziel: Sekundenbruchteil schneller entscheiden, statt noch eine zusätzliche Flanke zu zögern.

Die Fans erinnern sich gern an das 6:0 in Augsburg, doch Werner versiegelte diese Erinnerung in einem Satz: „Geschichte ist das Papier, auf dem der Gegner morgen sein Spiel plant.“ Die Sonne über der Red Bull Arena soll am Samstag scheinen, doch im Kopf der Leipziger herrscht Schneesturm – nur so kann man gegen Baums kompakte Wand bestehen.

Prognose: Leipzig gewinnt nur, wenn es aus 15 Metern kühler wird als der Schatten in der Kurve. Augsburg hat nichts mehr zu verlieren – und genau das macht den FCA so gefährlich. Am Ende zählt nicht Ballbesitz, sondern Netzbewegung. Wer zweimal trifft, kann gewinnen. Wer dreimal trifft, muss gewinnen. Die Tore werden entscheiden, nicht die Taktik-Bretter.