Garger zieht durch: rapid steckt in endloser identitätskrise

Kurt Garger schaut nicht weg. Der 65-Jährige, vier Mal Meister mit Rapid, ein Mal mit Salzburg, sitzt am Samstag im Allianz-Stadion – und befürchtet das Schlimmste. „Mit viel Glück reicht’s für die Meistergruppe“, sagt er im kicker-Interview. Ein Satz, der Hütteldorf bluten lässt.

Salzburg spielt sich frei, rapid verkrampft

Die 0:1-Pleite der Mozartstädter im Cup gegen Altach? Für Garger kein Trost, sondern Warnsignal. „Die werden die Scharte wetzen. Und auswärts läuft’s bei ihnen eh besser als daheim.“ Die Zahlen bestätigen ihn: Salzburg erzielte in der Fremde 25 Tore, daheim nur 17. Rapid kassierte in den letzten fünf Runden neun Gegentore – mehr als jedes andere Team im oberen Tabellendrittel.

Die Wahrheit klingt hart: Rapid profitiert nicht von eigener Stärke, sondern vom Stolpern der anderen. Ried verspielte in der Schlussviertelstunde zweimal eine 1:0-Führung, verlor dann gegen den Vorletzten. „Deshalb glaube ich ans nötige Glück“, sagt Garger. Kein Kompliment, sondern ein Seufzer.

Keine dna, nur transfer-wirr-warr

Keine dna, nur transfer-wirr-warr

Der ehemalige Verteidiger packt aus: „Es gibt keine kontinuierliche Linie.“ Ein Jahr setzt Rapid auf Eigenbausteine, im nächsten karrt man Spieler aus aller Herren Länder heran. „Afrika ist längst von Frankreich und Deutschland abgefischt“, sagt Garger. Was ankommt, sei oft zweite Wahl. Beispiel Alajbegovic: „Zeigt’s alle fünf Spiele einmal.“

Die Akademie kostet Millionen, bringt aber keine Leistungsträger hervor. Markus Katzer rechtfertigte den Sommereinkauf mit den Worten, der Nachwuchs reiche nicht. „Dann muss ich mir die Jugendtrainer anschauen“, kontert Garger. Keiner wurde beurlaubt.

Kader-inflation vergiftet die kabine

Kader-inflation vergiftet die kabine

15 Neue seit Sommer, 32 Profis um einen Platz. Das Ergebnis: „Viele Unzufriedene.“ Furkan Demir kehrt als Hoffnungsträger zurück, sitzt aber zwölf Mal hintereinander nur auf der Bank. „Wenn ich ihn hole, muss ich ihm Vertrauen schenken.“ Stattdessen wird Tobias Gulliksen für vier Millionen Ablöse vorgesetzt – ein Geschäftsmodell, kein Sportmodell. „Kaufen für vier, verkaufen für zwölf – wenn’s so einfach wäre.“

Trainer-roulette ohne kompass

Trainer-roulette ohne kompass

Robert Klauß, Ferdinand Feldhofer, Andreas Herzog, Peter Stöger, nun Hoff Thorup. Fünf Namen in drei Jahren. „In der Trainerfrage fehlt mir die Kontinuität“, sagt Garger. Thorup sprach von April als Start-Up-Monat – mitten im Abstiegskampf. „Er kannte die Verhältnisse nicht.“ Mittlerweile spielt Rapid wieder 4-2-3-1, wie seit zehn Jahren. Die Taktik-Kehrtwende spricht Bände.

Abwehrbruch beginnt im mittelfeld

Sogar das „Traumpaar“ Cvetkovic-Raux Yao wackelte. Der Grund: „Das zentrale Mittelfeld greift nicht mehr.“ Ndzie sollte Sangaré ersetzen, fehlte aber wochenlang. „Zusammen trainiert der vielleicht drei Tage.“ Links hinten wurde 19-jähriger Weixelbraun gegen Ried im Cup geparkt – ohne Erfahrung, ohne Chance. „Das muss man ihm ankreiden“, so Garger.

Pyro-chaos: rote karte für alle

Wer trägt die Schuld an der Fan-Krise? „Der Ball wird zwischen Klub, Liga und Polizei hin und her gespielt.“ Steffen Hofmann ist Fan-Beauftragter, aber ohne Rückendeckung. „Wer braucht Pyro? Verboten. Punkt.“ Garger fordert sofortiges Durchgreifen: „Wenn 30 Leute mit Skimütze im Klo verschwinden, müssen 30 Cobra-Leute vor der Tür stehen.“

Die rechnung: europa rückt in weite ferne

Rapid liegt vor dem Salzburg-Spiel einen Punkt vor Ried. Die Formkurve zeigt seit Wochen nach unten. Gargers Prognose: „Alles andere ist weit weg.“ Die Zahlen untermauern ihn: Nur zwei Siege aus den letzten neun Partien, Torverhältnis 9:14. Die Meistergruppe ist kein Ziel mehr, sondern ein Notbehelf. Wer sich selbst nicht glaubt, darf nicht erwarten, dass es die Tabelle tut.