Ganna donnert durchs flandern und schickt van aert in die leere

Filippo Ganna hat die 80. Ausgabe von Dwars door Vlaanderen mit einem Sprint aus dem Stand gewonnen – und das, nachdem er Wout van Aert auf den letzten hundert Metern noch abgehangen hatte. Der Italiener feierte seinen zweiten Saisonerfolg nach der Tirreno-Einzelzeitung, doch diesmal war es kein Solo gegen die Uhr, sondern ein Knock-out im Getümmel der flandrischen Kopfsteinpflaster-Anstiege.

Die hölle von flandern kommt früher als gedacht

Die Streckenposten hatten die 184 Kilometer lange Schleife zwischen Roeselare und Waregem als „letzten Test“ vor dem Sonntag verkauft. Doch wer dachte, es bliebe bei einem lockeren Shake-down, wurde von Ganna und Van Aert eines Besseren belehrt. Schon auf dem Kasteelstraat riss das Feld auseinander, auf dem Berg Ten Stene schwante den Sprintern das Ende. Van Aert schaltete den Turbo, Ganna hielt sich clever im Schleppsog, bis er auf der Haager Straße das Blatt wendete.

Die Zielgerade war kein Schaulaufen, sondern ein Schlagabtausch im Windschatten. Van Aert legte sich links, Ganna zog rechts, und als die Zeitmessung auf 99 Meter stand, war der Italiener bereits drüben. 3:48:27 Stunden stehen nun in der Datenbank – und ein Warnschuss Richtung Roubaix.

Parisiens kopfsteinpflaster wartet mit offenem rechnungsbuch

Parisiens kopfsteinpflaster wartet mit offenem rechnungsbuch

Ganna hatte nach seiner Chronosieg-Show an der Adria einige Fragen offen gelassen: Kann er im Feld fahren? Kann er über Kopfsteinpflaster? Die Antwort lieferte er zwischen Ardooie und Wijnendale. „Ich wollte nur testen, wie sich meine Beine nach 180 Kilometern anfühlen“, sagte er später, während er noch zitternd sein Energiegel schluckte. „Als ich Van Aert vor mir sah, habe ich gedacht: Jetzt oder nie.“

Dem Belgier blieb die Grimasse des Zweitplatzierten, die Statistik des Fast-Mannes. Auch Søren Wærenskjold (+1 Sekunde) und Biniam Girmay kamen nicht mehr vorbei. Für Ganna ist die Bilanz nach drei Frühjahrsklassiken nun: zwei Siege, eine Niederlage – und ein Selbstvertrauen, das nach Nordfrankreich reicht.

Die Parisiens-Roubaix am kommenden Sonntag wird das nächste Kapitel in seinem Buch der Härte. Wer ihn nach dem heutigen Vorgriff auf die Hölle noch unterschätzt, wird von der Realität eingeholt – und das meist auf den letzten hundert Metern vor dem Velodrom.