Füchse berlin jagen revanche und platz zwei – doch erlangen hat den x-faktor
18 Sekunden nach Anpfiff wird Viggó Kristjánsson bereits zugejubelt – und genau das ist der Moment, in dem die Füchse Berlin aufpassen müssen. Nach dem Champions-League-Desaster gegen Nantes droht im eigenen Wohnzimmer die nächste Blamage, sollte der HC Erlangen heute Abend in der Max-Schmeling-Halle erneut die Unruhestifter spielen.
Nicolej Krickau spricht es offen aus: „Wir haben null Spielraum.“ Der Meister liegt sechs Punkte hinter Spitzenreiter Magdeburg, die Flensburger haben sich gestern selbst geschlagen, und trotzdem steht Berlin unter Dampf. Der Grund: Ein Ausrutscher würde die Meisterschaftsträume endgültig begraben – und die Konkurrenz aus Gummersbach sowie Lemgo wittert Morgenluft.
Warum der hce plötzlich wieder zubeißen kann
Drei Ergebnisse lügen nicht: 29:34 in Flensburg, 26:26 in Eisenach, 28:24 gegen Minden. Erlangen hat sich vom Keller auf Augenhöhe geboxt und dabei genau die Waffe geschärft, mit der Magdeburg die Füchse schon kaltgestellt hat: Temposprünge im linken Rückraum. Kristjánsson steht für neun Treffer im Topspiel gegen den SCM, Marek Nissen und Florian Scheerer servieren Kreisläufer Johannes Sellin – heute Chef am Gästeblock – mit perfekten Lückenpassen. Kein Wunder, dass Krickau von einem „X-Faktor“ schwärmt, während seine Defense noch die Nacht über Nantes-Absprachen brütet.
Die eigene Offensive läuft über Matthias Gidsel. 216 Tore in 25 Partien – mehr braucht kein Mensch zu sagen. Doch der Däne ist kein Selbstläufer: Im Hinspiel zwar acht Treffer, aber nur, weil Erlangen mit 7- gegen 6-Formation riskierte und ihn erst in der 53. Minute doppelt deckte. Heute wird Krickau früher umschalten, zwingend, wenn er verhindern will, dass die Gäste wieder bis zum 38:35 mithalten.

Der tag des kinderhandballs wird zur zitterpartie
14.000 Pfiffe, 3.000 Kids, ein Sieg Pflicht – das ist die Rechnung, die die Füchse sich selbst aufgestellt haben. Doch die Stimmung kippt schnell, wenn der Favorit hinten herläuft. Die letzte Heimniederlage gegen Nantes war kein Ausrutscher, sondern ein Muster: zu viele technische Fehler, zu wenig Druck nach Ballgewinn, zu häufiges Einzelspiel. Gegen Erlangen droht dieselbe Mischung, wenn sich Berlin zu früh auf den zweiten Tabellenplatz einrichtet.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Berliner werfen 61,4 % ihrer Tore aus dem Rückraum, Erlangen nur 54,8 % – dafür aber 13,7 % aus dem Kreis, Berlin liegt bei 11,2 %. Auf diese Lücke haben die Gäste ihre Hoffnung gebaut. Kommt der Ball an den Kreis, tickt die Uhr für die Füchse-Defense. Läuft es nicht, fliegt schnell das Tempogegenstoß-Modell, das Kristjánsson perfekt beherrscht.
Um 18:00 Uhr geht’s los. Ein Sieg würde Berlin auf Platz zwei schieben, ja – aber vor allem würde er beweisen, dass die Mannschaft auch dann gewinnt, wenn der Druck lautstarker wird als die Hymne. Verlieren die Füchse, ist nicht nur der Rückstand auf Magdeburg ein Grab, sondern auch das Selbstvertrauen vor dem Pokal-Viertelfinale. Dann nämlich heißt der Gegner erneut Erlangen – und der X-Faktor hat sich inzwischen zweimal bewährt.
