Frühlings-kater statt frühlingsgefühle: warum grippe und schnupfen jetzt noch rumgammeln

Der kalte März hat Mailand fest im Griff – und mit ihm Husten, Fieber und eine Nase, die sich anfühlt, als wäre sie durch einen Sandstrahl gereinigt worden. Wer jetzt dachte, endlich mit Jogging-Shorts und Smoothie in den Park zu dürfen, landet stattdessen wieder auf der Couch mit Tee und Decke.

Der april trägt winterstiefel

Die Temperaturen hängen seit Wochen zwei bis vier Grad unter dem langjährigen Mittel. Das reicht, damit Influenza-A- und B-Stämme weiterhin Zirkulations-Modus spielen. In den Praxen melden Ärzte eine Verdoppelung der Atemwegsinfekte gegenüber dem Vorkrisenwert 2019. Die berüchtigte „Eisheiligen-Welle“ kommt also nicht – sie ist schon da.

Paradox: Die niedrige Pollenlast lässt Allergiker kurz aufatmen. Heuschnupfen-Symptome bleiben aus, dafür schlagen Viren zu. Der Körper priorisiert: Wer keine Reizstoffe einatmet, schaltet die Abwehr runter – und lässt Viren leichter ins Raster. „Wir sehen ein klar verzögertes Frühlings-Immun-Reset“, sagt Dr. Lucia Moretti, Lungenfachärztin im Poliklinikum Milano. „Die Schleimhäute sind noch winterhart, aber nicht mehr wintergeübt.“

Wer jetzt besonders aufpasst

Wer jetzt besonders aufpasst

Risikogruppen sind nicht nur Senioren und Kinder, sondern auch Freizeitsportler, die nach Monaten der Sofa-Phase plötzlich wieder Vollgas geben. Der Pulssprung senkt für 45 Minuten die T-Zell-Aktivität – ein perfektes Einfallstor für Rhino- und Coronaviren. Stefan Fischer, Autor bei TSV Pelkum Sportwelt: „Wer jetzt ohne Aufwärm- und Cool-down-Phase trainiert, riskiert zwei Wochen Trainingspause wegen grippaler Infekte. Das Frustlevel steigt, die Saisonziele platzen.“

Die Lösung klingt banal, ist aber effektiv: 15 Minuten länger aufwärmen, Nasenspülung mit isotonischer Lösung nach jedem Lauf und ein Buff statt Sonnenbrille. „Der Buff filtert nicht nur Pollen, sondern auch die kalte Luft, bevor sie die Bronchien erreicht“, so Fischer. „Ein kleiner Preis für den Verzicht auf Hustenbonbons im Mai.“

Die Wetterlage bleibt instabil bis 20. April. Danach erwarten Meteorologen einen Temperatur-Sprung von bis zu zehn Grad binnen 48 Stunden. Die Viren werden sich zurückziehen – aber nur, wenn das Immunsystem bis dahin nicht schon k.o. ist. Wer jetzt noch mit Winter-Trainingseinheiten wirbt, sollte lieber mit Winter-Regeneration werben. Die Saison startet nicht mit dem ersten warmen Tag, sondern mit dem letzten kalten Schnupfen.