Freuler jagt schweizer rekord in der serie a – und keiner redet darüber
Neun Einsätze. Mehr braucht Remo Freuler nicht, um die ewige Bestmarke aller Schweizer in der Serie A zu knacken. Dann hat er 271 Partien in Italiens Eliteklasse absolviert – mehr als Giuseppe Mor, mehr als Stephan Lichtsteiner, mehr als jeder andere vor ihm. Und trotzdem flüstert nur das halbe Land davon.
Der mann, den die tribünen vergessen
In Bologna wissen sie, was sie haben. Als Freuler zwischen Oktober und Januar mit einem Syndesmoseriss ausfiel, sackte der Klub aus den Europapokalrängen ab. Seit seiner Rückkehr: zwei Siege, zwei Remis, Platz sieben. Keine Statistik erklärt das so klar wie die Blicke der Mitspieler, wenn sie den Ball sicher über die Linie bugsieren – und sofort nach links schauen, wo der 33-Jährige die Tempo-Schraube zieht.
Alex Frei lacht bitter, wenn er die Karriere seines Schützlings Revue passieren lässt. „Er wurde bei GC als zu leicht abgetan, nach Winterthur delegiert, später für unter 100 000 Franken nach Luzern verkauft. Heute kostet ein Jugendspieler mit zwei Ligaspielen mehr.“ Der Ex-Nati-Stürmer war es, der Freuler 2014 nach Zentralschweiz holte. „Er kam mit dem Rucksack, hat sich umgezogen und gespielt. Kein Aufheben, keine Show.“

Was die zahlen verschweigen
Seit 2015 läuft Freuler durch sämtliche Europapokal-Gruppenphasen, ob mit Atalanta oder Bologna. 34 Champions-League-Partien, 19 Europa-League-Einsätze, elf Scorerpunkte. Doch die KPIs erzählen nur die Hälfte. Seine wahre Stärke liegt in den Sekundenbruchteilen vor dem Gegentor, wenn er diagonal sprintet und eine Schneise schließt, die Statistiken nicht erfassen.
Blerim Dzemaili, selbst 89-mal Nationalspieler, nennt ihn „europäischen Top-Spieler, Leader, Captain – alles in einem Paket“. Dabei ist Freuler nie Bolognas offizieller Boss gewesen. Er führt laut, mit Laufwegen statt Reden. „Wenn er fehlt, geht die Automatik verloren“, sagt Dzemaili. „Plötzlich bleiben Räume offen, plötzlich braucht Bologna zwei zusätzliche Ballkontakte, um die gleiche Seite zu wechseln.“

Die stille macht in der nati
Für die Schweiz lief er 63-mal auf, nur in den letzten 18 Monaten verpasste er keine Minute, als er verletzt war. Trotzdem bleibt Granit Xhaka das mediale Zugpferd. Frei kennt die Gründe: „Xhaka polarisiert, Remo arbeitet. Journalisten schreiben lieber über Feuer als über Wasser.“ Intern habe sich aber längst eine andere Hierarchie etabliert. „Wenn Captain Yann Sommer schreit, springt jeder. Wenn Remo nach vorne deutet, macht’s auch jeder – nur ohne Schreien.“
Die kommenden neun Spiele werden entscheiden, ob Freuler Ende Mai den Rekord allein besitzt. Dann wäre er auch der erste Schweizer, der in fünf aufeinanderfolgenden Serie-A-Saisons mehr als 30 Partien absolviert. Ein Novum, das keine Schlagzeile erzeugt – aber in Bologna schon lange kein Geheimnis mehr ist.
