Freitag fliegt 227 meter: deutscher rekord in vikersund
Selina Freitag schreibt Geschichte – und das buchstäblich mit einem Satz von 227,5 Metern. Auf dem Monsterbakken in Vikersund stellt die 24-jährige Sachsin am Sonntag den deutschen Weitenrekord neu auf. Die Magie der 200-Meter-Marke? Längst Geschichte. Jetzt geht es um 227,5 Meter, eine Zahl, die selbst erfahrene Trainer ins Stottern bringt.
Kvandal siegt, freitag fliegt
Die Norwegerin Eirin Maria Kvandal gewinnt das Rennen mit 231,5 m, doch die Schlagzeilen gehören Freitag. Im ersten Durchgang segelt sie bereits auf 216 m, im zweiten – trotz abgebrochenem Wettkampf – auf 227,5 m. Die alte Marke von Agnes Reisch (213,5 m) hielt gerade einmal 24 Stunden. „Ich war bereit, ich habe es einfach durchgezogen“, sagt Freitag im ZDF, noch atemlos vom Flug. Ihr Wunsch: „Am liebsten würde ich noch mal springen.“
Die Windverhältnisse sorgen für Chaos. Nur sieben Athletinnen dürfen den zweiten Versuch starten, dann ist Schluss. Wer draußen bleibt, muss zusehen. Juliane Seyfarth nutzt ihre einzige Chance und landet bei 207,5 m – neue persönliche Bestweite. Reisch und Katharina Schmid bleiben im ersten Durchgang hängen, Plätze 16 und 17. Dennoch: Schmid lacht trotzdem. „Endlich, endlich“, ruft die Rekordweltmeisterin, nachdem sie erstmals die 204 m knackt. Vier Jahre wartete sie auf diesen Flug.

Die magie der 200-meter-grenze ist tot
Früher galt 200 Meter als unerreichbar. Heute springen vier deutsche Athletinnen über diese Marke – an einem einzigen Wochenende. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 216, 227,5, 207,5, 204. Alles neue Bestleistungen. Die Revolution kommt nicht aus dem Silicon Valley, sondern aus dem Erzgebirge und Oberstdorf.
Für Freitag ist der Rekord nur ein Zwischenschritt. Sie spricht nicht von Grenzen, sondern von Lust. „Heute hat es wirklich richtig Spaß gemacht“, sagt sie und klingt, als würde sie gleich wieder den Hang hochlaufen. Die Saison ist fast vorbei, die Geschichten nicht. Wer jetzt denkt, Vikersund sei das Ende, hat Selina Freitag noch nicht gehört.
