Freelander kehrt zurück – als chinesisch-britischer elektro-gelandewagen
Der Name ist Programm: Freelander lebt wieder. Doch diesmal steckt hinter dem klassischen britischen Abzeichen ein chinesischer Koloss. Land Rover und Chery haben ihre Joint-Venture-Fabrik in Changshu umgestellt und kündigen eine eigenständige Marke an – mit 800-Volt-Batterien, Plug-in-Hybriden und einem Design, das an die Ur-SUV der Neunziger erinnert.
Chery liefert die plattform, land rover das erbe
Die Plattform stammt aus Anhui, die Software aus Coventry. Das Concept 97, das Peking diese Woche zeigte, verrät: Der neue Freelander wird 4,65 Meter lang, bekommt schwingende Türgriffe und ein digitales Panorama-Cockpit. Die Radstände sind um 80 Millimeter gewachsen, die Bodenfreiheit liegt bei 220 mm – genug, um die Parkhäuser von Mailo zu überrollen, ohne aufzusetzen.
Der Clou: Zwei Antriebsvarianten parallel. Eine 800-Volt-Architektur für rein elektrische Versionen mit bis zu 600 Kilometern Reichweite nach WLTP. Und ein Range-Extender, dessen Dreizylinder nur als Generator dient – die Räder werden ausschließlich vom E-Motor angetrieben. Chery nennt das „EREV“, im Fahrzeugschein steht später einfach „Elektro“.

Italien steht auf der liste – aber ganz hinten
Laut Insidern plant die neue Marke den Marktstart 2026 für China, 2027 für Europa. Italien ist dabei, aber nicht im ersten Schub. Die Zulassungszahlen sprechen eine deutliche Sprache: Chery hat hierzulande dieses Jahr 4.700 Neuwagen zugelassen – ein Promille des Markts. Land Rover verkaufte 2023 in Italien 8.300 Autos. Beide Marken brauchen Volumen, und der Freelander soll liefern.
Die Preise sind noch ein Betriebsgeheimnis. Analysten rechnen mit einem Einstieg bei 42.000 Euro für den Hybriden und 48.000 Euro für die Batterie-Version – deutlich unter dem Discovery Sport, der bei 58.000 Euro beginnt. Die Margen für Jaguar Land Rover (JLR) sind trotzdem attraktiv: Chery übernimmt die Fertigung, JLR liefert Marken-DNA und Vertriebsnetz. Bei jedem verkauften Freelander fließt Lizenzgebühr nach Gaydon.
Ein alter name, ein neues geschäftsmodell
Für Land Rover ist der Schritt ein Sakrileg und eine Rettung zugleich. Die Classic-Abteilung in Solihull kann die Nachfrage nach historischen Defendern kaum bedienen, während die Elektro-Modellpalette auf Jahre verzögert ist. Der chinesische Deal sichert Technologie, Produktionskapazität und – vor allem – Zugang zum größten Elektro-Markt der Welt.
Freelander-Fans werden die Referenzen erkennen: Drei-Speichen-Felgen, schwarze Radläufe, das abgeschnittene dritte Seitenfenster. Doch unter der Karosserie steckt kein separates Rahmen-Chassis mehr, sondern eine monocoque-Batteriezelle mit 110 kWh Speicher. Der Geländewagen wird zum Crossover – und das ist kein Bug, sondern Feature.
Die Entscheidung, den Namen zu reaktivieren, fiel im Januar im JLR-Vorstand. Chef Adrian Mardell ließ sich drei Tage Zeit, dann unterschrieb er. Die Botschaft: „Wir behalten unser Erbe, aber wir verkaufen es mit chinesischer Geschwindigkeit.“
2028 will Freelander 150.000 Einheiten jährlich bauen – die Hälfte für den asiatischen Markt, den Rest für Europa und Südamerika. Wenn die Planzahlen stimmen, steht in Changshu künftig alle 52 Sekunden ein neuer elektrischer Freelander vom Band. Die Rückkehr des Namens ist kein Revival, sondern ein Trojanisches Pferd auf Lithium-Ionen-Rädern.
