Frauen-tennis: tiefsturze im billie-jean-king-cup – was nun?

Ein Schock für den deutschen Tennis-Sport: Die Damen-Nationalmannschaft ist erstmals in der Geschichte in die Regionalgruppe II des Billie-Jean-King-Cups abgestürzt. Nach bitteren Niederlagen gegen Portugal, Litauen und Schweden steht der Verband vor einem Umdenken – und die Frage, wie es nun weitergeht.

Die bittere wahrheit: fehlende vorbereitung und verpasste chancen

Die Enttäuschung ist groß, und Laura Siegemund nimmt kein Blatt vor den Mund. Im Gespräch mit Eurosport betonte die erfahrene Spielerin, dass der Abstieg das Ergebnis einer verfehlten Strategie in der Jugendarbeit und Vorbereitung sei. „Man sieht jetzt das Resultat von dem, was passiert ist, als die Älteren nicht mehr am Start waren“, erklärte Siegemund. Der Verzicht auf ihre und Tatjana Marias Expertise durch Teamchef Torben Beltz, der stattdessen auf eine junge Garde setzte, scheint sich nicht ausgezahlt zu haben.

Beltz' Vertrauen in die Jugend endete in einer ernüchternden Realität. Die Spiele gegen vermeintlich machbare Nationen wurden verloren, und das Potenzial der jungen Spielerinnen blieb weitgehend ungenutzt. „Das Ergebnis entspricht nicht dem Anspruch“, räumte Beltz nach den Spielen ein. Die Mädels hätten „viel mehr Potenzial“ gezeigt, so der Teamchef.

Siegemunds kritik: zu lange auf die alte garde gesetzt

Siegemunds kritik: zu lange auf die alte garde gesetzt

Was niemand so offen ansprach: Die 38-jährige Siegemund kritisierte die lange Fokussierung auf die erfahreneren Spielerinnen. „Man hat sich sehr darauf verlassen, dass wir Älteren die Punkte holen und den Teamvibe bilden“, so Siegemund. Sie sieht eine verpasste Chance, junge Spielerinnen früher in den Kader zu integrieren. „Man hätte die Jungen früher heranführen können. Jetzt war es für sie komplett neu.“

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Deutschland, einst eine feste Größe im internationalen Tennis, muss sich nun mit deutlich schwächeren Gegnern auseinandersetzen. Der DTB hat das Ziel, bis 2027 wieder in die Regionalgruppe I aufzusteigen und bis 2032 acht bis zehn deutsche Spielerinnen und Spieler in den Top 100 zu platzieren. Ein ambitioniertes Vorhaben, das angesichts der aktuellen Lage jedoch schwer vorstellbar ist.

Die Konsequenzen sind klar: Der deutsche Tennis-Verband muss handeln. Es braucht eine neue Strategie, die sowohl die Förderung junger Talente als auch die Erfahrung etablierter Spielerinnen berücksichtigt. Nur so kann Deutschland wieder zu einer ernstzunehmenden Nation im Frauen-Tennis werden. Der Abstieg ist ein Weckruf – und die Zeit zum Handeln ist jetzt.