Franziska preuß: der letzte anlauf auf olympia-gold
Franziska preuß: der letzte anlauf auf olympia-gold
Franziska Preuß, 31, gehört im Biathlon zur absoluten Weltspitze. Weltcup-Gesamtsiegerin und Sportlerin des Jahres – doch ein Titel fehlt noch in ihrer beeindruckenden Karriere: Olympia-Gold. Bei den bevorstehenden Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo hat sie eine letzte Chance. Kann sie ihren Traum endlich verwirklichen?
Rückschlag in ruhpolding
So etwas kann selbst einer erfahrenen Biathletin passieren. Beim Weltcup in Ruhpolding patzte Franziska Preuß am Schießstand und musste eine Strafrunde in Kauf nehmen. Das deutsche Team verpasste dadurch das Podium und landete lediglich auf dem 6. Rang. „Das muss ich jetzt erst mal verdauen“, zeigte sie sich enttäuscht. Sie hofft, den Fehler schnell abschütteln zu können, um im Stehendschießen wieder ihre gewohnte innere Ruhe zu finden.

Ein holpriger saisonstart
Die aktuelle Saison verlief für Preuß alles andere als ideal. Im vergangenen Winter hatte sie bei der Weltmeisterschaft in Lenzerheide vier Medaillen, darunter Gold in der Verfolgung, gewonnen und sich anschließend die große Kristallkugel als Gesamtweltcupsiegerin gesichert. Dieser Triumph wurde zwar erst in einem spannenden Finale errungen, doch er war das Ergebnis ihrer konstanten Leistungen über den Winter. Die Auszeichnung zur “Sportlerin des Jahres” war die verdiente Anerkennung.
Verletzung und kampf um die form
Doch der Start in diese Saison verlief schwierig. Im September stürzte Preuß beim Auslaufen nach den Deutschen Meisterschaften und riss sich eine Sehne im Mittelfinger. Obwohl sie angab, dass die einwöchige Pause die Vorbereitung nicht beeinträchtigte, konnte sie bisher nicht an ihre Topform anknüpfen. Ihr bestes Ergebnis war bisher der dritte Platz im Einzel von Nove Mesto – für eine Athletin ihres Kalibers eine eher magere Ausbeute.
Mehr eigenverantwortung im training
Ähnlich wie in der Vorsaison bereitete sich Preuß überwiegend individuell vor. Nur eine Woche verbrachte sie mit dem gesamten Team im Trainingslager in Antholz. „Ich habe meinen Trainingsplan wieder komplett selbst gemacht, immer aber in Absprache mit den Trainern“, erklärte sie. Ihr Partner, der ehemalige Biathlet Simon Schempp (Olympiasieger 2014), steht ihr dabei mit Rat und Tat zur Seite. Diese Eigenverantwortung soll neue Motivation bringen.
Besuch von lou jeanmonnot
Interessant war auch ein Besuch von ihrer französischen Konkurrentin Lou Jeanmonnot während einer individuellen Trainingswoche. „Sie war bei einem Partner in Deutschland und hat auf der Rückfahrt einen kleinen Umweg über Ruhpolding gemacht“, erzählte Preuß. „Sie hat bei mir zu Hause gewohnt. Das war sehr schön, einfach mal entspannt miteinander zu reden.“
Der weltcup als größter erfolg
Franziska Preuß hatte im Sommer sogar überlegt, ihre Karriere zu beenden. „Ich habe mir die Frage gestellt, ob man nicht jetzt besser aufhört“, gestand sie. „Für mich war der Gesamtweltcup das Größte, was ich erreichen kann.“ Doch nach intensiven Überlegungen entschied sie sich, noch einmal anzugreifen – auch wegen der Olympischen Spiele vor ihrer Haustür.
Olympia als ziel und das karriereende
Nach dieser Saison ist jedoch Schluss, das kündigte Preuß an. Sie möchte die verbleibenden Rennen genießen. Nach den eher sterilen Wettkämpfen außerhalb Europas verspricht das italienische Publikum eine besondere Atmosphäre. Sie wird bei ihrer vierten Olympia-Teilnahme von Freunden und Familie angefeuert und hat eine „offene Rechnung mit Olympia“. Bisher gewann sie dort nur Bronze mit der Staffel (2022 Peking).
Die suche nach der perfekten form
Sie setzt alles daran, dass sich der Satz „aller guten Dinge sind vier“ bewahrheitet. Die Chancen stehen gut, sofern ihr nicht erneut ein Fehler wie in Ruhpolding unterläuft. Die Vorbereitung ist abgeschlossen, die Motivation hoch – Franziska Preuß greift nach Olympia-Gold.
