Frankreichs autowahn: eine million schrott-autos rollen illegal – 550 millionen euro verpufft
Die Rechnung ist brutaler als ein Foul im Sechzehner: Frankreichs Cours des Comptes deckt ein Millionen-Desaster auf. Rund eine Million Fahrzeuge – 1,7 Prozent des gesamten französischen Fuhrparks – fahren mit Papieren, die so echt sind wie ein 3-Euro-Schein. Die Folge: 550 Millionen Euro fehlen in den Kassen von Paris, und das seit 2017.
Geistershowrooms und die privatisierung, die alles kaputtmachte
Der Startschuss fiel mit einem Reformversuch. Um die berüchtigt langsame Zulassung neu zugelassener Autos zu beschleunigen, öffnete Paris 2017 die digitale Tür zum Zentralregister. Jeder Händler durfte sofort Kennzeichen und Papiere ausstellen – ohne staatliche Gegenkontrolle. Was passierte? Geisterfirmen wuchsen wie Unkraut. 300 Schein-Unternehmen schoben Wagen durch den elektronischen Durchlauf, kassierten Provision und löschten sich anschließend selbst aus. Die Karre war angemeldet, der Besitzer existierte nur auf Excel.
Die Bandbreite der Tricks reicht von Rolls-Royce und Mercedes, die plötzlich als „Behindertenfahrzeuge“ gemeldet wurden – Zollbefreiung inbegriffen – bis zu Kleintransportern, deren TÜV-Ergebnisse nachträglich gefälscht wurden. Geschwindigkeits- und Parkknöllchen? Die flatterten in Briefkästen, die nie jemand leerte. Die Zahl der Tempo-Verstöße stieg zwischen 2016 und 2022 um 160 Prozent, ein Indiz, das schließlich die Polizei stutzig machte.

Ein staat, der seine eigene kontrollfunktion verschlief
Die Cours des Comptes wirft der Regierung schwere Nachlässigkeit vor. 30.000 Händler hatten Zugriff auf das Register – ohne verpflichtende Prüfung ihrer Identität, ohne technische Firewall. „Das System war einladend wie ein offenes Stadiontor“, zitiert Le Monde einen Ermittler. Mindestens 30 unterschiedliche Delikte zählten die Revisoren auf, von Steuerhinterziehung bis zur Manipulation von Umweltplaketten für Dieselsaufer. Jede einzelne Fahrt mit solch einem Kfz ist ein Sicherheitsrisiko: Bremsanlagen, Airbags, Reifen – alles nur auf dem Papier geprüft.
Die Reaktion folgt auf dem Fuße, doch sie wirkt wie ein Nachspielzeit-Tor: Innenministerium kündigt härtere Lizenzvergabe an, Zugriffsrechte wurden zurückgeschraubt, erste Razzien laufen. Ob es reicht? Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2022 bis 2024 fehlten allein durch die Betrugsmasche fast 200 Millionen Euro an Steuern und Bußgeldern. Und täglich rollen neue Schrott-Autos über die pittoresken Routes nationales – mit perfekten Papieren und Bremsscheiben, die nur in Photoshop existieren.
