Francesca dallapé packt aus: so meistert man den verhassten rückwärtsdreher

Der 2½-fache Rückwärtsdreher vom Dreimeter war für Francesca Dallapé jahrelang „das hässliche Entlein im Wettkampfprogramm“. Jetzt erklärt die Olympia-Zweite, wie sie den Tuff aus dem Schatten holte – und warum er gerade für Nachwuchs-Springer zum Game-Changer werden kann.

Vom angstgegner zur geheimwaffe

„Ich hasste diesen Sprung, weil er gegen jede Intuition verstößt“, sagt Dallapé im Gespräch mit der Gazzetta Active. Kurz vor dem Absprung schaut man aufs Wasser, presst dann die Arme nach oben – und muss sich plötzlich rückwärts in die Tiefe stürzen. „Das Gehirn schreit: ‚Falsche Richtung!‘“ Die 36-Jährige trainierte den Dreher deshalb nie isoliert, sondern baute ihn in eine komplette Serie ein. Erst nach dem fünften Wiederholungsblock kam der Sprung dran, wenn die Muskeln bereits müde waren. „So lernt der Körper, auch unter Stress die Rotationsachse zu halten.“

Die Tricks, die sie heute an Italys Nachwuchs weitergibt, klingen simpel, sind aber Gold wert: Den Blick nicht auf die Wasseroberfläche, sondern auf den hinteren Beckenrand richten – damit bleibt die Hüfte offen und die 2½-Umdrehung kompakt. Und: den Presprung minimal verkürzen. „Wer zu weit rausspringt, landet mit dem Gesasse auf und bekommt die berüchtigte ‚Latten-Note‘ von den Judges.“

Platzierung im programm: erst die sicherheit, dann das risiko

Platzierung im programm: erst die sicherheit, dann das risiko

Dallapé setzte den Rückwärtsdreher nie als Auftakt. „Er kam nach mindestens zwei ‚Sicherheits-Sprüngen‘, wenn das Selbstvertrauen bereits auf 80 Prozent stand.“ So konnte sie selbst einen leichten Fehler kompensieren, ohne in Panik zu verfallen. Die Strategie zahlte sich aus: Bei der WM 2013 in Barcelona holte sie mit genau diesem Sprung die Vorentscheidung im Synchronspringen – und sicherte sich den ersten Weltmeistertitel.

Für Hobby-Springer empfiehlt sie einen pragmatischen Zugang: „Trainiert den Sprung erst auf einem Meter, dann auf anderthalb, bevor ihr überhaupt ans Brett geht.“ Die meisten Verletzungen passieren, weil Athleten zu früh die Höhe erhöhen. „Der Knöchel verzeiht keine halbe Rotation.“

Die ehemalige Angstgegnerin ist inzwischen zur Mentorin geworden. In Roms Nationalzentrum steht jeden Dienstag eine Gruppe von 14- bis 17-Jährigen am Rand des Dreimeters. Dallapé gibt das Kommando: „Occhi indietro!“ – Augen nach hinten. Die Jugendlichen springen. Kein einziger Bauchklatscher. Sie grinst. „Wenn sie es schaffen, schafft ihr es auch.“