Forster rastet aus: gold in 5 hundertsteln – das war ein krimi zum zittern

Cortina d’Ampezzo – 09:58 Uhr Ortszeit. Die Spanierin steht oben, die Uhr tickt, und Anna-Lena Forster schon unten im Ziel, die Faust noch geballt, die Atemfrequenz bei 180. Fünf Hundertstel. So viel trennt Triumph vom Silber, so viel trennt sie von ihrer ersten Abfahrts-Goldmedaille. „Einfach krass“, sagt sie, als hätte sie das Wort erfunden, nicht nur gesagt.

Die 30-Jährige aus Radolfzell riss sich das Visier hoch, sah die 1:32,47 leuchten und wusste: Das reicht vielleicht. Dann kam Pascual Seco, 1:32,52. Die deutsche Fahne flog über ihre Schultern, die Tränen kamen sofort. „Als ich die Zwischenzeit hörte, hab ich gedacht: Jetzt reicht’s nicht“, erzählt sie später, „aber irgendwie unten raus hats gereicht. So knapp – das ist der Sport, den ich liebe.“

Der morgen danach war schon der morgen davor

Keine vier Stunden Schlaf. „Ich hab die Nacht durchgeschwitzt, total nervös“, gibt sie unverblümt zu. Die Pistenpostille kennt diese Szenen: Olympia-Druck, Medienrummel, eigene Erwartung. Doch auf der Piste rasiert sie die Hänge weg wie ein Akku-Säge, nur mit mehr Gefühl. Die Linie bei Kilometer 2,2: aggressiv, fast zu spät. Die Ausritte: zwei. „Da dachte ich: Oh Gott, das darfst du dir nicht leisten.“ Aber sie konnte.

Mit diesem Sieg springt sie auf insgesamt fünf Goldmedaillen bei Paralympics – und auf zehn Edelmetalle insgesamt. Die Super-Kombination, der Super-G, der Riesenslalom und ihr Paradestil Slalom warten noch. Schafft sie zwei weitere Golds, zieht sie mit Anna Schaffelhuber gleich. „Darüber mache ich mir keine Gedanken“, sagt sie, aber das Lächeln verrät sie.

Barbara van bergens sturz blieb ohne folgen – für forster

Barbara van bergens sturz blieb ohne folgen – für forster

Die Niederländerin war vor ihr gestartet, rutschte weg, das Rennen unterbrochen. Forster kannte das Risiko. „Barbara ist leider so eine Sturzpilotin“, sagt sie ohne Bosheit, nur nüchtern. Die Piste war hart, die Sonne fraß sich kaum durch, die Kanten mussten sitzen. Sie saßen – bei ihr.

Der erste deutsche Gold-Coup der Spiele 2026 ist perfekt, und die Athletenführung des DBS atmet erst mal durch. Für Forster heißt es: Runterkommen, aufwärmen, nächsten Krimi vorbereiten. „Wenn solche Rennen so laufen, ist das unheimlich geil“, sagt sie und schwingt sich schon wieder in den Sessellift. Fünf Hundertstel sind Geschichte, der nächste Hundertstelkrimi wartet.