Forster jagt silber, doch gold ist schon 2,82 sekunden weit weg
Ann-Lena Forster steht vor ihrem Slalom um 13 Uhr mit dem Rücken zur Wand. Die Monoski-Queen aus Radolfzell liegt nach dem Super-G 2,82 Sekunden zurück – eine halbe Ewigkeit im Kampf gegen die Uhr.
Die Fahnenträgerin der deutschen Delegation fuhr im ersten Durchgang der Super-Kombination in Cortina d’Ampezzo auf Rang zwei, doch die Spanierin Audrey Pascual Seco preschte mit 1:21,88 Minuten davon. Forsters Zwischenzeit: 1:24,70. Die Titelverteidigerin von Peking wirkt gelassen, fast schon lebensmüde. „Ich kenne meinen Slalom“, sagte sie nach dem Lauf, „der ist mein Wohnzimmer.“

Pascual seco ist die neue albtraumfrau
Die 30-Jährige hatte die Abfahrt noch gewonnen, im Super-G wurde sie nur Zweite – hinter eben jener Pascual Seco. Nun droht ihr Silber, sollte sie den Slalom-Riesensprung nicht vollziehen. Denkbar ist das: In der stehenden Klasse holte Andrea Rothfuss als Achte noch 7,39 Sekunden auf, Anna-Maria Rieder liegt als Zwölfte sogar 12,75 zurück. Für Forster zählt nur Sieg oder nichts.
Die Chinesin Sitong Liu rangiert mit 1,26 Sekunden Rückstand auf Forster auf Bronzeplatz – ein Polster, das sich im Slalom schnell auflösen kann. Doch die eigentliche Bedrohung sitzt in Spanien. Pascual Seco fuhr schon Super-G und Abfahrt aufs Podest, nun will sie das Double perfekt machen.
Die Russin Warwara Worontschichina, die im Super-G für die erste Goldmedaille Russlands unter eigener Flagge seit Sotschi 2014 gesorgt hatte, schied früh aus – ein Schock für das Team, das auf die Kombi als zweite Chance gehofft hatte.
Für Forster bleiben zwei Möglichkeiten: Risiko oder Risiko. Sie kann alles auf eine Karte setzen und mit Volldampf in die ersten Tore starten – oder kontrollieren fahren und Silber sichern. Gold liegt in weiter Ferne, aber im Slalom ist die Uhr ein Gefangener der Kante. Und Forster beherrscht die Kante wie kaum eine andere.
