Formel-1-legende benoit: 'die regeln sind ein wahnsinn!'

Roger Benoit, eine Ikone des Motorsports und Chronist der Formel 1 seit über fünf Jahrzehnten, schlägt unmissverständlich Alarm. In einem exklusiven Gespräch mit SPORT1 teilt der 77-Jährige seine düstere Einschätzung über die aktuelle Entwicklung der Königsklasse. Benoit, der mehr als 800 Grands Prix erlebt und Persönlichkeiten wie Michael Schumacher und Jackie Stewart hautnah begleitet hat, hält die jüngsten Regeländerungen für einen fatalen Fehler.

Die software-spezialisten dominieren den sport

„Die Formel 1 hat schon wieder die Regeln geändert. Je einfacher die Regeln, desto besser der Sport“, betont Benoit mit Nachdruck. Er sieht das aktuelle Motoren- und Energiemanagement äußerst kritisch und bekräftigt damit die ursprüngliche Kritik von Max Verstappen. Das Problem liege darin, dass die Rennen zunehmend von Software-Spezialisten und nicht mehr von den Fahrern selbst bestimmt würden. Helmut Marko hatte bereits vor der Saison gewarnt: „Die Software-Spezialisten sind wichtiger als die Fahrer.“ Benoit ergänzt, dass selbst Experten in der Branche die Komplexität des Systems bemängeln.

Ein besonders schmerzlicher Punkt für Benoit ist das Fehlen echter Überholmanöver. „Was wir sehen, ist oft ein Vorbeifahren nach Vorschrift, vom Reglement diktiert“, kritisiert er. Die Rennen seien dadurch weniger spannend und der klassische Kampf auf der Bremse, wie er früher üblich war, sei verschwunden.

Von senna bis schumacher: benoit erinnert an vergangene zeiten

Von senna bis schumacher: benoit erinnert an vergangene zeiten

Benoit blickt in seiner Autobiografie „Formel Wahnsinn“ auf die Ikonen der Formel 1 zurück und schildert heitere Begegnungen, aber auch tragische Schicksale. Er erinnert sich an die Zeit, als er Ayrton Senna an einer Tankstelle interviewte und Nelson Piquet spontan zu einem Gespräch einlud – eine Unvorstellbarkeit in der heutigen Zeit. Ein besonders bewegender Moment war der Verlust von Jo Siffert 1971 in Brands Hatch, dessen Porsche 914 er einst selbst verkaufte.

Auch Michael Schumacher nimmt in Benoit’s Erinnerungen einen besonderen Platz ein. „Er war ein unglaublicher Arbeiter. Er hat sein Talent mit Disziplin und Ehrgeiz noch größer gemacht“, so Benoit. Trotz seiner kritischen Haltung gegenüber Schumacher wünscht er ihm nach seinem schweren Skiunfall alles Gute.

Ein abschied vom alten universum

Ein abschied vom alten universum

Benoit beklagt den Wandel der Formel 1 hin zu einem weniger nahbaren Universum. Die fatalen Sicherheitslücken der Vergangenheit, in denen Fahrerleben leichtfertig aufs Spiel gesetzt wurden, scheinen in Vergessenheit geraten zu sein. Er erinnert sich an die Zeit, als er mit Jochen Rindt auf der Boxenmauer saß und eine Zigarre rauchte, ohne dass es jemanden störte – eine Zeit, die längst vorbei ist.

Die Formel 1 hat sich verändert, und Benoit ist sich sicher: „Ich glaube, der Zug ist längst abgefahren.“

Als krönender Abschluss: Benoit’s Reaktion auf die Frage, wer der größte Fahrer aller Zeiten sei, ist schlichtweg brillant: „Nehmen Sie einen Würfel. Schreiben Sie die Zahlen eins bis sechs auf und ordnen Sie ihnen sechs Namen zu – Juan Manuel Fangio, Alain Prost, Senna, Schumacher, Lewis Hamilton und Max Verstappen. Dann würfeln Sie und wissen Bescheid.“ Ein passender Abschluss für eine Legende, die das Wesen des Rennsports stets zu schätzen wusste.