Formel-1-blackout: rtl sitzt am start fest, netflix räkelt sich in den usa

Deutschland ist wieder einmal der Dumme. Während amerikanische Fans künftig Großpreise auf Netflix streamen, starren deutsche Zuschauer auf dunkle Bildschirme – und das, obwohl RTL bereits Koffer und Visum für Schanghai gepackt hatte. Die Formel 1 verhandelt gerade mit sich selbst, der österreichische Nachbar blockiert, und Günther Steiner wartet wie ein verlassener Boxenstopp-Mechaniker auf seinen Einsatz.

Warum rtl in china nicht starten durfte

Die Crew war bereit, die Kameras kalibriert, Hotels gebucht, Interviews mit Nico Hülkenberg und Mick Schumacher geplant. Dann kam die E-Mail eine Woche vor dem Rennen: „Reise abgesagt.“ Grund ist ein Streit um sogenannte Spill-Over-Signale. Satelliten strahlen RTL auch nach Österreich aus – 20.000 Fans dort schalten lieber die Kölner ein als ServusTV oder ORF. Das kostet die heimischen Sender Werbegelder, also beschwerten sie sich bei der Formel 1. Die Folge: ein Sendeverbot für RTL, bis ein technischer Zaun gegen unerwünschte Empfangsgebiete steht.

Sky Deutschland besitzt die Exklusivrechte, muss aber vier Rennen kostenlos anbieten. Weil die Verträge zwischen RTL und Sky aber noch nicht unterschrieben sind, bleibt alles in der Schwebe. Nächste Chance: Spa-Francorchamps am 19. Juli – wenn bis dahin die Politik mitspielt.

Netflix und apple kuscheln sich in nordamerika

Netflix und apple kuscheln sich in nordamerika

Zwischenzeitlich bastelt Apple in den USA an einer Doppellösung. Der GP Kanada (24. Mai) läuft live auf Netflix – allerdings nur für US-Abonnenten. AppleTV behält die restliche Saison, will aber die Netflix-Reichweite nutzen, um neue Zuschauer zu kögeln. Eddy Cue, Apples Content-Chef, spricht offen von „Drive to Survive“ als Türöffner. Die Serie hat die Einschaltquoten in den Staaten verdoppelt; nun wollen beide Streaming-Riesen das Tempo halten.

Für deutsche Nutzer ist das ein Schlag ins Gesicht. Erst verlieren sie die kostenlosen RTL-Livebilder, dann dürfen sie mitansehen, wie der globale Streamingmarkt vor ihren Augen expandiert – ohne dass sich jemand um ihre Reichweite schert.

25 Millionen Euro kostet Sky pro Jahr die Formel-1-Lizenz in Deutschland. Die Summe wird von Jahr zu Jahr schwerer zu rechtfertigen, wenn kostenlose Alternativen im Ausland florieren. Bleibt die Frage, wie lange der Pay-TV-Sender die Monopolstellung halten will, bevor er sich mit einem freemium-Modell rächt.

Die Formel 1 schaltet also nicht nur Motoren, sondern auch Geografie um. Die Fans in Deutschland sind derzeit nur Zuschauer im eigenen Land – und fern der Rennstrecke wird weiter verhandelt, während die Ampel auf Gelb steht.