Fluoridierung: was kinder, erwachsene und ihre zähne wirklich brauchen
Immer mehr Eltern fragen sich, ob ihre Kinder wirklich Fluoridtabletten benötigen, während Erwachsene sich über die Wahl des richtigen Zahnpasta-Fluorids den Kopf zerbrechen. Der italienische Zahnarzt Matteo Basso klärt auf: Nicht jeder profitiert gleichermaßen von Fluorid – und eine Überdosierung kann sogar schädlich sein.
Die fluorid-profylaxe: mehr als nur zahnpasta
Fluorid spielt eine wichtige Rolle bei der Stärkung des Zahnschmelzes und der Vorbeugung von Karies. Doch die Anwendung ist komplexer als viele denken. Es gibt zwei Hauptformen: die systemische Fluoridierung, bei der Fluorid über den Körper aufgenommen wird, und die topische Anwendung, bei der es direkt auf die Zahnoberfläche gelangt. Früher wurden Kindern Fluoridtabletten oder -tropfen verschrieben, um den Aufbau der bleibenden Zähne zu unterstützen. Heute ist dies jedoch nur noch für Risikogruppen sinnvoll.
“Bei Erwachsenen, deren Zähne bereits voll ausgebildet sind, kann man nur noch die Oberfläche stärken,” erklärt Basso. “Das geschieht mit fluoridhaltigen Zahnpasten, Gelen oder Lacken, die wir nach der professionellen Zahnreinigung auftragen.”
Besonders wichtig: Die Fluoridkonzentration in Zahnpasten ist gesetzlich geregelt. Für Kinder unter sechs Jahren gelten mindestens 1.000 Teile Fluorid pro Million (ppm), für ältere Kinder und Erwachsene sind es 1.450 ppm – die Grenze, ab der ein Produkt als Arzneimittel gilt.

Wer braucht fluoridtabletten wirklich?
Die systemische Fluoridierung ist heute vor allem für Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko indiziert. Dazu zählen Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen, solche mit mangelhafter Mundhygiene oder Kinder, die in Regionen leben, in denen das Trinkwasser nur wenig Fluorid enthält. “Es gibt vulkanische Gebiete, wie Teile Kalabriens, in denen der Fluoridgehalt im Wasser bereits sehr hoch ist. Dort ist eine zusätzliche Fluoridierung sogar schädlich und kann zu einer Fluorose führen, bei der sich die Zähne verfärben und anfälliger werden.”
Für alle anderen reicht in der Regel die fluoridierte Zahnpasta aus. Achten Sie hierbei auf die richtige Dosierung: Ein reiskorngroßes Klecksen für Kinder bis drei Jahre, ein erbsengroßes für Kinder bis sechs Jahre.

Zahnpasta-wahl: sls vermeiden und auf qualität achten
Nicht jede Zahnpasta ist gleich. Zahnarzt Basso rät, auf Produkte zu setzen, die frei von Natriumlaurylsulfat (SLS) sind, einem schäumenden Zusatzstoff, der bei manchen Menschen zu Reizungen der Mundschleimhaut führen kann. “In der Drogerie findet man oft günstigere Produkte mit SLS, während in der Apotheke eine größere Auswahl an hochwertigen Zahnpasten mit gezielten Inhaltsstoffen verfügbar ist.”
Das Fazit: Eine gute Mundhygiene mit der richtigen Zahnpasta ist die Basis für gesunde Zähne. Fluorid ist ein wichtiger Zusatz, aber seine Anwendung sollte immer individuell auf den Patienten abgestimmt sein. Wer Zweifel hat, sollte seinen Zahnarzt konsultieren – er kann eine fundierte Empfehlung geben.
Die Angst vor Fluorid ist unbegründet. Bei korrekter Anwendung ist es ein sicherer und wirksamer Schutz vor Karies. Wer auf Fluorid verzichten möchte, riskiert im schlimmsten Fall eine deutlich höhere Kariesinzidenz und teure Behandlungen in der Zukunft. Die Entscheidung liegt bei Ihnen – aber informieren Sie sich gründlich!
