Flugreisen verstecken ein tödliches risiko – schon nach zwei stunden
Der Nervenkitzel des Starts, das sanfte Vibrieren der Triebwerke, das Versprechen einer fernen Stadt: Fliegen fühlt sich an wie Freiheit. Doch während wir über den Wolken die Beine stillhalten, schaltet unser Körper in den Notmodus. Das Ergebnis kann eine Thrombose sein – und die braucht keine Langstrecke.
Die Kabine trocknet aus. Die Luftfeuchtigkeit bricht auf unter 20 %, die Schleimhäute schreien, die Augen jucken. Der leicht gedrosselte Sauerstoff erzeugt einen diffusen Kopfdruck, als hätte man zwei Gläser Wein intus. Doch das ist nur die Vorspeise.
Wie ein blutgerinnsel in 120 minuten entsteht
Der Vascular-Chirurg Óscar Roset schlägt mit dem Finger auf den Tisch: „Zwei Stunden reichen.“ Knie gebeugt, Waden starr, Rücken gekrümmt – die Blutzirkulation verlangsamt sich dramatisch. „Die Venen werden zu stehenden Gewässern“, sagt er. In diesem Morast kann sich ein Gerinnsel bilden, das erst die Wade anschwellen lässt und dann – wenn es sich löst – mit Blitzgeschwindigkeit in die Lungen fliegt.
Die jüngste Patientin in Rosets Praxis war 23, auf dem Rückflug von Ibiza. Die älteste 81, nur eine Zugfahrt von München nach Hamburg. „Szenario egal“, betont er. „Zählt nur, wie lange die Beine stillstehen.“

Kompressionsstrümpfe sind kein stilmord, sondern lebensversicherung
Die Lösung kostet 25 Euro und sieht nach Oma aus: knöchelhohe Kompressionsstrümpfe, eng wie ein zweite Haut. „Sie drücken die Venen zusammen, beschleunigen den Rückfluss und verhindern Stauungen“, erklärt Roset. Wer sie verweigert, riskiert neben Schmerzen und Schwellungen ein Lungenembolie – tödlich in zehn Prozent der Fälle.
Ein weiterer Trick: alle 60 Minuten aufstehen, den Gang entlanglaufen, die Zehen kreisen. Klingt banal, rettet aber Venen. Ergänzend hilft Wasser statt Kaffee, um die Flüssigkeitsbalance zu halten. Und auf Alkohol an Bord verzichten – er erweitert die Venen und verstärkt das Risiko.
Laut der Statistik der Deutschen Fluggesellschaft steigt die Thromboserate bei Passagieren, die länger als vier Stunden sitzen, um das Dreifache. Die Zahl der nicht gemeldeten Fälle liegt vermutlich noch höher.

Das fazit ist nüchtern
Wer fliegt, sollte seine Beine nicht stillhalten. Die nächste Reise beginnt nicht erst nach der Landung, sondern mit der Entscheidung, die Zirkulation am Leben zu halten. Roset lacht trocken: „Lieber Socken anziehen und lebend ankommen, als barfuß im Rollstuhl.“
