Flick zieht bilanz: «wir haben die punkte, jetzt kommt das wm-turnier»
Hansi Flick hatte keine zwei Minuten Zeit, sich den Schweiß abzutrocknen. Nach dem 1:0 gegen Rayo Vallecano stand er schon wieder in der Mixed Zone, brauchte keinen Teleprompter, keine PR-Berater – nur seine Stimme. Die klang kantig, aber erleichtert. «Wir haben die Punkte», sagte er, «und damit die Latte vor der Länderspielpause ein Stück höher gelegt.»
Joan garcía macht den kasten dicht – und flick den mund auf
Der 23-jährige Keeper war eigentlich nur für den Pokal vorgesehen, jetzt hält er LaLiga auf Distanz. Drei Paraden in der ersten Viertelstunde, ein Fußabwehr-Save gegen Trejo, dann ein Reflex gegen Palazón – alles in Serie, alles mit Handschuhen, die noch nach Werksauslieferung riechen. Flick: «Wir holen ihn nicht, damit er Wasser trägt. Wir holen ihn, damit er uns rettet. Heute hat er es wieder getan.»
Der Trainer sprach in Kurzsätzen, wie ein Mann, der weiß, dass die nächste Auswärtstour schon wieder Mittwoch anklopft. «Januar bis März war ein einziger Blutzucker-Crash, zwölf Pflichtspiele in 42 Tagen. Die Jungs laufen mit GPS-Gürteln, die rote Warnlichter versenden. Aber sie laufen trotzdem.»

Araujo knackt die wand – und fliegt zur copa
Der 1:0-Siegtreffer war ein Befreiungsschlag aus dem Dauerstress. Ronald Araujo, in dieser Saison öfter Reha-Video als Torschütze, nickte nach Ecke von Raphinha ein. Flick: «Das Tor ist ein Kredit für sein Selbstvertrauen, aber auch ein Scheck für die Defensive. Wir haben nur 18 Tore kassiert, weil unsere Innenverteidiger lernen, dass Null-Stand auch Spaß macht.»
Der Uruguayer fliegt nun zur Copa América, neben ihm García, Pedri, Ferran Torres und fünf weitere. «Wir verlieren sie für vier Wochen», sagt Flick, «aber wir gewinnen sie als Profis zurück. Die WM im Sommer ist das Ziel, nicht nur für sie, für alle.»

Rayo spielt barça an die wand – und kassiert trotzdem
Die Gäste aus Vallecas dominierten in Ballbesitzphasen 62 Prozent, schlichen sich in die Räume, als hätten sie den Spotify-Camp-Nou-Grundriss auswendig gelernt. Iñigo Pérez, Rayo-Coach, stellte seine Mannschaft auf drei Etagen um, drängte Barça in die eigte Hälfte. Flick applaudierte ihm hinterher: «Er hat uns eine Lektion erteilt, wie man Raum erobert. Ich hasse es, wenn wir nicht dominieren, aber ich liebe es, wenn wir trotzdem gewinnen.»
Die einzige Konstante war wieder Marc Bernal. Sechzehn Jahre alt, 1,91 m groß, Passquote 94 %. Flick: «Er baut das Spiel auf wie ein alter Commodore-64-Programmierer – kalt, logisch, effizient. Er wird noch besser, wenn er lernt, dass manchmal auch ein Fehlpass helfen kann.»
Flick zieht die bilanz: «jetzt reparieren wir die knochen»
Die Verletzungsliste liest sich wie ein Klinik-Stammbaum: Koundé, Eric, Balde, Christensen – alles Abwehrbollwerke, alles außer Gefecht. «Wir spielen mit einer Notfall-Back-Four», sagt Flick, «aber die Not bringt uns weiter.» Cancelo spielte 75 Minuten mit eingespritzem Schmerzmittel, wurde dann ausgetauscht, weil das Knie zu schreien begann. «Ich habe ihm gratuliert, nicht wegen des Spiels, sondern wegen der Willensleistung.»
Die Tabelle zeigt Platz zwei, zwei Punkte hinter Real, aber mit einem Spiel weniger. «Das reicht für heute», sagt Flick. «Jetzt reparieren wir die Knochen, schicken die Jungs zu ihren Nationalteams und hoffen, dass sie in einem Stück zurückkommen. Der Sommer wird heiß – und ich meine nicht nur das Wetter in den USA.»
