Flick stellt sich schützend vor yamal und warnt vor atletico
Barcelona siegt, Yamal schnauzt, Flick schirmt – und alle reden über das Champions-League-Viertelfinale. Die Generalprobe gegen Atletico (2:1) war nur der Auftakt zu einem Zehn-Tage-Duell, das am Mittwoch (21 Uhr) mit dem Hinspiel im Estadio Olímpico fortgesetzt wird. Die Katalanen sind in Topform, dennoch steht ein 18-Jähriger im Zentrum der Debatte.
Lamine yamal: zwischen genie und gereiztheit
Nach dem Schlusspfiff am Samstag schüttelte Lamine Yamal wutentbrannt die Hand von Hansi Flick ab. Kein Handschlag, nur ein wütender Blick, dann verschwand der Youngster in den Katakomben. Die spanischen Zeitungen überschlugen sich mit Spekulationen. Doch Flick ließ keine Stunde verstreichen. „Er war frustriert, weil ein Pass nicht ankam. Das ist normal“, sagte der Trainer und fügte mit rauer Stimme hinzu: „Er ist 18. Wir alle haben mit 18 mal Dampf abgelassen.“
Am Dienstagvormittag dann die versöhnliche Geste: Flick legt dem Arm um Yamals Schulter, lacht mit ihm, redet länger als mit jedem anderen Profi. „Ich werde ihn immer beschützen. Er soll zeigen, dass er der beste Spieler der Zukunft ist – aber er darf auch mal schlechte Tage haben“, sagt Flick vor versammelter Presse. Die Botschaft ist klar: Der Coach baut seine Galionsfigur auf, statt sie zu zügeln.

Atletico wartet mit eigener rechnung
Die Statistik spricht gegen Barça. Viermal trafen die Klubs bisher im Champions-League-Viertelfinale aufeinander – viermal zog Atletico Madrid weiter. 2014 und 2016 schickten die Rojiblancos die Katalanen nach Hause, ehe sie sich jeweils Real Madrid im Finale beugen mussten. „Diese Serie wollen wir endgültig beenden“, erklärt Flick. Die Generalprobe gewann Barça, doch der Coach warnt: „Atletico ist ein fantastisches Team mit einem der besten Trainer der Welt.“ Gemeint ist Diego Simeone, dessen Mannschaft trotz drei Liga-Niederlagen in Serie immer noch für brutale Zweikämpfe und treffsichere Konter steht.
Barça ist seit neun Partien ungeschlagen, führt die Primera División mit sieben Punkten Vorsprung auf Real Madrid und ist auch in der Copa del Rey auf Kurs. Dennoch fordert Flick: „Wir müssen von der ersten Minute an hellwach sein. Die Champions League ist kein Schaulaufen, sondern ein Kampf um Luft und Raum.“

Camp-neu-rekord als treibstoff
Seit der Rückkehr ins renovierte Camp Nou feierte Barcelona 14 Heimsiege in Folge. Nummer 15 soll folgen – und zwar mit Vorentscheidungscharakter. Spanische Radiosender berichten, Flick habe die Mannschaft angewiesen, bereits im Hinspiel die Weichen auf Halbfinale zu stellen. Die Anweisung: frühes Pressing, schnelle Ballgewinne, Yamal auf rechts, Raphinha auf links, Robert Lewandowski als target. Das Mittelfeld soll Koke und De Paul entzaubern, die Abwehr Griezmann und Julian Alvarez in die Zange nehmen.
Die Marschroute ist klar: Kein Rückspiel-Drama, kein Tor-Getümmel, sondern eine souveräne Vorstellung, die Atletico die Luft nimmt. „Wenn wir konzentriert bleiben, haben wir die besseren Karten“, sagt Flick. Die Fans hoffen, dass Yamal seine Gereiztheit in Zauber dribbelt verwandelt und nicht in nächste Eruption. Denn eines ist sicher: In der Champions League vergeben 18-Jährige keine Fehler zweimal – und Atletico verzeiht keine Sekunde.
Am Mittwoch um 21 Uhr steigt die nächste Runde im Zehn-Tage-Krimi. Für Barcelona geht es um das Endspiel in Budapest. Für Yamal um den Beweis, dass er bereit ist, die Zukunft schon jetzt zu erzwingen. Flick wird an der Seitenlinie stehen – und womöglich wieder ausholen, falls sein Schützling erneut die Hand verweigert. Diesmal aber eher aus Routine als aus Zorn.
