Flensburg am abgrund: trainer pajovic bleibt – für den moment
Die SG Flensburg-Handewitt steht vor einem Scherbenhaufen. Nach verpassten Meisterschaftschancen, einem enttäuschenden Pokal-Aus und einem dritten Platz in der European League scheint der Verein in einer tiefen Krise zu stecken. Doch Sportvorstand Ljubomir Vranjes hat eine überraschende Entscheidung getroffen: Trainer Alex Pajovic soll trotz allem in die nächste Saison gehen.
Die enttäuschung ist groß – und die kritik laut
Die Leistungen der SG Flensburg-Handewitt in dieser Saison waren alles andere als überzeugend. Die Meisterschaft war bereits früh außer Reichweite, und auch die Vizekusenrolle ging an die Füchse Berlin. Der dritte Platz in der Bundesliga, der für einen Verein mit Ambitionen wie Flensburg eine bittere Pille ist, verstärkt den Eindruck einer fehlenden Konstanz. Das Ausscheiden im DHB-Pokal gegen den SCM und der dritte Platz in der European League rundeten ein insgesamt unbefriedigendes Jahr ab. Die Fans sind unzufrieden, die Experten kritisch – und der Druck auf Trainer Pajovic wuchs in den letzten Wochen erheblich.
“Unsere Ansprüche sind hoch. Deshalb sind wir mit einigen Leistungen und Ergebnissen nicht zufrieden”, so Vranjes via Social Media – eine deutliche Ansage, die den Unmut im Verein widerspiegelte. Doch dann kam die überraschende Kehrtwende.

Ein vertrag ist ein vertrag – zumindest vorerst
Beiratsvorsitzender Boy Meesenburg ließ gegenüber der SHZ durchblicken, dass die Zusammenarbeit mit Pajovic im Sommer fortgesetzt wird. “Er hat einen Vertrag bis 2027, wir werden mit ihm in die nächste Saison gehen,” erklärte Meesenburg. Eine klare Ansage, die viele überraschte. Wie es nach dieser Saison weitergeht, ließ er allerdings offen. “Entweder verlängert man den Vertrag oder nicht. Das ist ein ganz normaler Abwägungsprozess – wie bei jedem Mitarbeiter, dessen Vertrag ausläuft. Übrigens nicht nur von unserer Seite aus, sondern auch von seiner.”
Pajovic übernahm die kriselnde SG im Januar 2025 und führte das Team zwar zum Sieg in der European League – ein Lichtblick in einer ansonsten dunklen Saison. In der Bundesliga reichte es allerdings “nur” zu Platz 5, was im Vergleich zum Vorjahr zwar eine leichte Verbesserung darstellt, aber den hohen Ansprüchen des Vereins nicht gerecht wird. Der letzte nationale Titel liegt bereits seit sieben Jahren zurück – eine Ewigkeit für einen Verein mit der Ambition, an der Spitze des deutschen Handballs zu stehen. Ob Pajovic in der Lage sein wird, Flensburg wieder zu alter Stärke zu führen, bleibt abzuwarten. Der Druck ist jedenfalls enorm.
Die Entscheidung, an Pajovic festzuhalten, ist ein riskanter Schachzug. Doch Meesenburg scheint zu glauben, dass der Slowene das Potenzial hat, das Team wieder auf Kurs zu bringen. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, wird die kommende Saison zeigen. Für die Fans der SG Flensburg-Handewitt bleibt vorerst nur die Hoffnung auf bessere Zeiten – und die Ungewissheit, wie es weitergeht.
