Flamengo holt jardim: portugiese übernimmt brasiliens topklub

Rio de Janeiro hat einen neuen Trainer. Leonardo Jardim übernimmt ab sofort den Rekordmeister Flamengo – und das unter denkbar schwierigen Vorzeichen. Sein Vorgänger Filipe Luis wurde trotz sechs gewonnener Titel in kaum eineinhalb Jahren entlassen, weil er im Februar zwei Endspiele verlor: die Brasilianische Supercopa gegen Corinthians und die Recopa Sudamericana gegen den argentinischen Klub Lanús. Im brasilianischen Fußball reicht eine schlechte Phase, um alles zu vergessen.

Jardim leitet bereits das erste training

Keine langen Eingewöhnungszeiten, kein sanfter Einstieg. Jardim stand bereits am Mittwoch auf dem Trainingsplatz des George Helal Training Centers und leitete die Nachmittagseinheit der Mannschaft. Der Vertrag, den er mit Flamengo unterzeichnet hat, läuft bis Dezember 2027. Am Donnerstag folgte die offizielle Pressekonferenz – nach dem Morgentraining, wie der Klub in seiner Mitteilung bekannt gab.

Jardim bringt sein bewährtes Trainerteam mit: António Vieira, José Barros und Diogo Dias begleiten ihn nach Rio de Janeiro und werden Teil des technischen Stabs der Profimannschaft.

Ein trainer, der nie selbst gespielt hat

Ein trainer, der nie selbst gespielt hat

Der 1974 geborene Portugiese ist eine ungewöhnliche Figur im Weltfußball: Er hat nie als Profi gespielt. Mit 27 Jahren begann er zu trainieren – und hat seitdem fast alles gesehen, was der internationale Fußball zu bieten hat. Mit Beira-Mar gewann er 2009/10 die portugiesische Segunda Liga. Zwischen 2011 und 2014 arbeitete er bei Braga, Olympiakos und Sporting Lissabon.

Der Durchbruch kam mit AS Monaco. Jardim trainierte die Monegassen von 2014 bis Dezember 2019 und holte 2017 die Ligue 1 – in jener Saison, in der Monaco ganz Europa mit seinem Angriffsfußball verblüffte. Das war kein Zufall. Das war sein Stil.

Vier stationen im nahen osten und ein kurzes brasilien-abenteuer

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Ab Mai 2021 verschlug es ihn in den arabischen Raum. Mit Al-Hilal gewann er die AFC Champions League und den saudi-arabischen Supercup. Danach folgten Shabab Al-Ahli in den Emiraten – Meisterschaft inklusive –, dann Al-Rayyan in Katar und schließlich Al-Ain, wo er nach weniger als drei Monaten wieder weg war.

Sein erstes Brasilien-Kapitel schrieb er bei Cruzeiro: von Februar bis Dezember 2024. Titel gab es dort keine, aber Erfahrung mit dem brasilianischen Alltag – mit der Hitze, dem Druck, der Medienlandschaft. Das ist kein schlechtes Fundament für das, was jetzt kommt.

Flamengo ist der größte Klub Brasiliens, amtierender Meister und Continentalchampion. Jardim übernimmt ein Team, das Hunger nach Titeln hat – und eine Fanbase, die Misserfolge nicht vergisst. Filipe Luis weiß das besser als jeder andere.