Sinner zerlegt lehecka und jagt alcaraz: nummer 1 wieder in reichweite

Jannik Sinner spielt Tennis, als hätte er den Code des Spiels gehackt. 6:1, 6:3 gegen Jakub Lehecka in Miami – das war keine Finalteilnahme, das war ein Statement. Die Sonne über Florida noch nicht mal untergegangen, da spricht schon halb Melbourne vom Comeback des Jahres.

Bertoluccis wende: „jetzt ist alles drin“

Paolo Bertolucci, einst selbst Davis-Cup-Held, hatte Sinner Anfang Februar noch abgeschrieben. Doha, Niederlage gegen Mensik, kein Plan B, kein Saft im Bein. „Er sah aus wie ein Akku bei zwei Prozent“, sagte er damals. Drei Wochen später korrigiert er sich: „Indian Wells war nicht der Gipfel, es war die Startbahn. Miami beweist: Er kann jeden, jederzeit.“ Die Statistik bestätigt es – 18 von 19 Siegen auf Hartplatz seit dem US Open, nur Alcaraz blieb stehen.

Die Rechnung ist denkbar einfach: Gewinnt Sinner heute Nacht, rückt er auf Platz zwei der Live-Ranking-Liste vor. Noch wichtiger: Er schnuppert an Alcaraz’ Krone, nur 680 Punkte trennen dann die beiden. Und während der Spanier nach Miami eine Schonpause einlegt, fliegt Sinner direkt nach Monte Carlo – seinem Lieblingsturnier auf Sand.

Die aura kehrt zurück – und mit ihr die fragen

Die aura kehrt zurück – und mit ihr die fragen

Was auffällt: Die gefürchtete First-Strike-Frequenz liegt wieder bei 42 Prozent, nur ein Prozentpunkt unter seinem Jahresdurchschnitt 2023. Gegen Zverev, dem er 14 Winner in 19 Minuten zweiten Satz um die Ohren schmetterte, war sogar die Vorhand-Longline wieder da, jene Waffe, die ihm im Januar fehlte. Doch dahinter lauert ein „aber“.

Sein Konditionstrainer Claudio Zimaglia räumt ein: „Wir haben die Last der Vorbereitung um drei Wochen verkürzt, sonst wäre der Knöchel nicht mitgekommen.“ Sprich: Die Frühjahrsmüdigkeit, die Sinner 2022 und 2023 plagte, könnte nur aufgeschoben, nicht aufgehoben sein. Die nächsten acht Wochen entscheiden, ob das Kunststück dauerhaft gelingt.

Nummer 1? vielleicht. unangefochten? nie.

Nummer 1? vielleicht. unangefochten? nie.

Die Tour schaut seit Sonntag wieder nach Italien. Medvedev spricht nach seinem Erstrunden-Aus von „einem neuen Tier in der Halle“. Alcaraz’ Coach Ferrero schickt per WhatsApp einfach nur ein Augen-Emoji. Und in Brixen drehen sich beim Abendessen plötzlich alle Handys um 180 Grad – der Sieg gegen Lehecka läuft im Dauerloop.

Sinner selbst bleibt knallhart. „Ich will den Pokal, nicht die Prognose“, sagt er. Die Prognose lautet aber: Gewinnt er Miami, winken 1.000 Punkte, ein Sand-Sperrfeuer und – so grotesk es klingt – vielleicht schon Wimbledon als Nummer 1. Die Maschine läuft. Und sie hat noch zwei Gänge nach oben.