Maradona gegen thatcher: das legendäre wm-spiel wird zum politthriller

Fast vierzig Jahre sind vergangen, seitdem die Welt vor den Bildschirmen zusammenzuckte. Das Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 zwischen Argentinien und England war mehr als nur ein Spiel – es war ein Spiegelbild von Hass, Trauma und nationalem Stolz. Der neue Dokumentarfilm „The Match“ von Juan Cabral und Santiago Franco taucht tief in dieses historische Ereignis ein und enthüllt eine Geschichte, die weit über den Fußball hinausgeht.

Die falkland-kriege und der hass auf die inseln

Die Rivalität zwischen Argentinien und England wurzelte tief in der Geschichte. Die Falkland-Kriege von 1982, in denen Argentinien die Inseln zurückerobern wollte, hatten das Land traumatisiert und einen tiefen Groll gegen Großbritannien hinterlassen. Für die argentinischen Fans war das WM-Spiel eine Chance auf sportliche Revanche, eine Möglichkeit, die Demütigung des Krieges wettzumachen. Die Erinnerung an Antonio Rattín, der 1966 von einem englischen Schiedsrichter fälschlicherweise vom Platz gestellt wurde, schwelte weiter und nährte den Wunsch nach Rache.

„Es war mehr als nur ein Spiel“, sagt Jorge Valdano im Film. „Es war ein Krieg auf dem Rasen.“

Maradonas legendäre tore: „die hand gottes“ und das jahrhunderttor

Maradonas legendäre tore: „die hand gottes“ und das jahrhunderttor

Die Atmosphäre im Estadio Azteca war elektrisierend. Diego Maradona, der unbestrittene Star der argentinischen Mannschaft, spürte den Druck und lieferte eine Leistung, die in die Geschichte einging. Seine beiden Tore in diesem Spiel sind bis heute legendär: „Die Hand Gottes“, ein umstrittener Treffer mit der Hand, und das „Jahrhunderttor“, ein atemberaubender Sololauf, der fünf englische Verteidiger ausmanövrierte. John Barnes, der damalige englische Flügelspieler, räumt im Film ein: „Im ersten Durchgang habe ich Diego nur angesehen. Ich habe nicht wirklich gespielt.“

Ein film über nationale identität und trauma

Ein film über nationale identität und trauma

„The Match“ ist jedoch mehr als nur eine Wiederholung des Spiels. Der Film beleuchtet die persönlichen Geschichten der Spieler, die mit dem Trauma des Krieges und dem Druck der nationalen Erwartungen zu kämpfen hatten. Oscar Ruggeri, ein argentinischer Verteidiger, erinnert sich daran, wie er kurz vor dem Turnier in den Krieg hätte ziehen müssen. „Der Fußball hat mir das Leben gerettet“, sagt er. Der Film zeigt auch die politischen Hintergründe des Spiels und die Bedeutung, die es für beide Länder hatte.

Santiago Franco erklärt: „Wir wollten, dass das Publikum über seine Wurzeln nachdenkt. Wir haben in die Geschichte beider Länder recherchiert.“

Der Dokumentarfilm, der auf den Filmfestival in Cannes gezeigt wurde, ist ein bewegendes Zeugnis einer Ära und eine Erinnerung daran, wie Sport politische und emotionale Wunden heilen kann – oder sie noch tiefer aufreißt. Die Bilder von Maradona, der triumphierend jubelt, stehen im krassen Gegensatz zu den Gesichtern der trauernden Familien der gefallenen Soldaten. Ein Spiel, das eine Nation vereinte und eine andere spaltete, wird in „The Match“ zu einem Spiegelbild der menschlichen Natur.

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