Fifa-wm 2026: infantinos ausverkauft-lüge fliegt auf

Gianni Infantino hat sich verzählt. Oder er hat schlicht gelogen. 508 Millionen Anfragen, jedes Spiel ausverkauft – so klang es noch vor einer Woche aus dem Mund des FIFA-Präsidenten. Jetzt kommt The Athletic und New York Times mit einem Bericht, der dieses Märchen in tausend Stücke zerlegt.

Tickets für mindestens 64 spiele sind noch zu haben

Seit vergangenem Mittwoch sollen für mindestens 64 Partien der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada noch Eintrittskarten verfügbar sein – oder wieder. Das ist keine Kleinigkeit. Bei einem Turnier mit insgesamt 104 Spielen bedeutet das: Mehr als die Hälfte der Begegnungen ist alles andere als restlos vergriffen.

Die Erklärung liefern Marketingexperten, die gegenüber The Athletic kein Blatt vor den Mund nehmen. Ein Großteil der angeblichen 508 Millionen Anfragen konzentrierte sich auf die Topspiele – Brasilien, Argentinien, Deutschland, Frankreich. Sobald keine Spitzenmannschaft auf dem Rasen steht, sieht die Nachfrage plötzlich ganz anders aus. Überraschend? Kaum. Aber Infantino hatte das bewusst verschwiegen.

Hohe preise schrecken fans ab

Hohe preise schrecken fans ab

Ein weiterer Faktor, den niemand bei der FIFA laut aussprechen will: die Preise. Für bestimmte Ticketkategorien verlangen die Veranstalter Summen, die selbst hartgesottene Fußballfans zweimal nachdenken lassen. Wenn ein Ticket für eine Gruppenphase-Partie zwischen zwei Außenseitern mehrere Hundert Dollar kostet, bleibt das Stadion eben nicht automatisch voll – egal wie viele Anfragen weltweit eingegangen sind.

Infantino hatte seinen Satz mit der Überzeugung eines Mannes gesprochen, der weiß, dass die meisten Medien nicht nachbohren. The Athletic hat nachgebohrt. Das Ergebnis ist eine Blamage für den Weltverband, der seit Jahren mit Rekordkulissen und ausverkauften Arenen wirbt, als wäre Fußball ein Selbstläufer – unabhängig vom Spielplan, vom Preis und von der Attraktivität der Paarungen.

Die WM 2026 beginnt im Juni. Bis dahin hat die FIFA noch Zeit, die Erzählung zu korrigieren. Oder sie wartet einfach ab und hofft, dass es niemand mehr nachzählt.