Fifa verkauft die wm-atempause: 17 825 euro pro sekunde für einen spot im dfb-spiel
Fifa macht das Undenkbare möglich: Zwischen der 22. und 67. Minute wird der Ball ruhen, damit die Kamera in die Reklame schwenken kann. Drei Minuten pro Hälfte, fest eingeplant, egal wie heiß es ist. Der Schiedsrichter pfeift zur Trinkpause – und das ZDF schaltet den Exklusivblock. Noch nie durften Sender während des laufenden Spiels Werbung verkaufen, jetzt kostet eine Sekunde im deutschen Sechzehntelfinal 17 825 Euro. Für 20 Sekunden zahlt ein Werber 356 500 Euro, mehr als für einen Spot vor dem Anpfiff.

Die preisliste ist ein offenes foul am zuschauer
ARD und ZDF haben die neuen Slots schon verkauft. Das ZDF wirbt mit „fußballaffinen Mainzelmännchen“, die ARD packt sechs Spots in ein „Cooling Break Paket“ und kassiert 600 000 Euro für 180 Sekunden. Die Mindestlänge: 15 Sekunden, die maximale Unterbrechung: 80 Sekunden pro Spiel. Pro Tag dürfen die öffentlich-rechtlichen Sender 20 Minuten Werbung senden – nur nach 20 Uhr ist Schluss. Die Hitze ist nur noch Nebenschauplatz, die Uhr tickt für die Vermarkter.
Ein Beispiel: Portugal spielt am 17. Juni um 19 Uhr. Um 19.20 Uhr, mitten in der ersten Hälfte, kostet die Sekunde 3 650 Euro. Ein Frühspiel um 6 Uhr? Dort liegt der Preis bei 1 200 Euro pro Sekunde, die Pausen kommen gegen 6.20 Uhr und 7.28 Uhr. Die Logik ist gnadenlos: Je später, je deutscher, je heißer – desto teurer. Die Fifa hat das Spielfeld zur Auktionsfläche erklärt, und die Sender bieten sich gegenseitig die Gelegenheit aus, das Stadionerlebnis zu unterbrechen.
Für die Spieler bedeutet das rhythmischen Bruch. Drei Minuten sind genug, um die Muskeln wieder kalt werden zu lassen, genug, um den Spielfluss zu killen, genug, um die letzte Konzentration zu verlieren. Für die Fans im Stadion heißt es: Daumen drehen, Bier schlürfen, Jumbotron anstarren. Für die daheim bleibenden Millionen heißt es: Werbung gucken oder umschalten. Die Fifa nennt es „Player Welfare“, der Markt nennt es Prime-Time. Beide irren.
Loftus-Cheek, der 2014 in Brasilien noch bei 38 Grad rannte, sagte einmal: „Wenn du stehen bleibst, ist es vorbei.“ Jetzt darf jeder stehen bleiben, damit die Kasse klingelt. Die erste WM mit Klimapause wird zur ersten WM mit Kommerzpause. Die Uhr stoppt, der Cent läuft. Das Ergebnis ist nicht nur ein durchnässtes Trikot, sondern auch ein durchnässtes Bankkonto. Und das Spiel? Das Spiel wartet, bis die Sekunden gezählt sind.
