Fifa löst 104-spiel-marathon für 2026 aus – dallas wird zum heimlichen hauptdarsteller
Am 11. Juni 2026 pfeift Referee Szymon Marciniak – oder wer auch immer den Zuschlag bekommt – im Aztekenstadion den ersten Ball der 23. WM hoch. 38 Tage später, am 19. Juli, fällt im MetLife Stadium von New York/New Jersey der Vorhang. Dazwischen: 104 Partien, 16 Stadien, drei Zeit-Zonen und ein Klima, das selbst Wüstenfüchse ins Schwitzen bringt.
Infantino nennt das «inklusivste turnier aller zeiten»
FIFA-Präsident Gianni Infantino posierte vor der Kulisse von Manhattan und sprach von einem «Traum, der Realität wurde». Dahinter blitzte die Rechnung: 48 Teams, zwölf Gruppen à vier, 72 Vorrundenspiele, keine Todesgruppen mehr, dafür aber ein Achtundneunzig-Stunden-Slog durch Kanada, Mexiko und die USA. Die Logistik? Auf drei Regionen (Ost, Zentral, West) geschrumpft, damit sich Mexiko nicht in Vancouver die Nächte um die Ohren schlägt und Kanada nicht in Miami die Lungen aus der Brust rennt.
Dallas steht im Fokus. Mit neun Spielen – mehr als jede andere Stadt – wird das AT&T Stadium zur Drehkreuz-Metropole. Wer dort im Juli spielt, kann sich auf 40 Grad Celsius plus Luftfeuchtigkeit einstellen. Die FIFA verspricht drei freie Tage vor 103 der 104 Spiele. Die Ausnahme: das Finale um Platz drei in Miami, das nur 48 Stunden vor dem Endspiel terminiert ist. Eine Zumutung für Physiotherapeuten, ein Geschenk für TV-Netzwerke.

Azteka, toronto, los angeles – die triade der eröffnungstage
Mexiko eröffnet gegen einen noch unbekannten Gegner, Kanada kickt 24 Stunden später in Toronto, die USA folgen zur Prime-Time in Los Angeles. Alle drei Gastgeber behalten ihre Gruppen im eigenen Land – ein Vorteil, den sich Brasilien 2014 oder Russland 2018 nur wünschen konnten. Guadalajara, Vancouver und Seattle fungieren als zusätzliche Heimstätten, während Atlanta und Dallas die Semifinals ausrichten.
Die Uhrzeiten reichen von 10:00 Uhr Ortszeit – perfekt für den europäischen Vorabend – bis 21:00 Uhr, damit auch der US-Westen noch vor der späten Nachrichtensendung einschalten kann. Das Finale um 16:00 Uhr Eastern Time bedeutet 22:00 Uhr in Madrid, 23:00 Uhr in Berlin. Kein Zufall: Die FIFA bucht auf beiden Kontinenten Rekordquoten.

Der ball rollt – und die debatte bleibt
Kritiker monieren: 104 Spiele in 38 Tagen sind ein Kraftakt, der Spieler wie Laufmaschinen behandelt. Infantino kontert mit mehr Einnahmen, mehr Teilnehmern, mehr «Fußball für alle». Die Spielergewerkschaft FIFPro schweigt noch, wird aber spätestens beim ersten Hitzschlag in Dallas lauter werden. Bis dahin zählt nur der Countdown: noch 732 Tage, dann steht der Azteke wieder im Mittelpunkt – und Klaus Littbarski ist endlich nicht mehr der Letzte, der dort ein WM-Finale erlebte.
