Ferrari auf dem wasser: hypersail katapultiert segeln ins neue zeitalter
Mailand – Ferrari wagt einen fulminanten Einbruch in die Welt des Segelsports. Mit dem Projekt Hypersail will der italienische Sportwagenhersteller nicht nur neue Geschwindigkeitsrekorde brechen, sondern auch die Grenzen dessen, was auf dem Wasser möglich ist, neu definieren. Benedetto Vigna, CEO von Ferrari, spricht von einem „Moment, der uns dazu bringt, über den Tellerrand hinauszuschauen – zuerst auf der Straße, jetzt auf dem Meer.“
Die dna von ferrari: aerodynamik und design im fokus
Das Hypersail-Projekt, das von John Elkann, einem begeisterten Segler, initiiert wurde und bereits intern als „Raumschiff“ bezeichnet wird, ist weit mehr als nur ein ambitioniertes Bauvorhaben. Es ist eine Synthese aus Automobiltechnik und Segeltradition, bei der die Prinzipien der Aerodynamik und des Designs im Mittelpunkt stehen. Flavio Manzoni, Chief Design Officer von Ferrari, erklärt: „Die Performance diktiert die Regeln, das Design verwandelt sie in Schönheit.“
Die Ästhetik des Hypersail-Katamarans ist dabei eng mit der Philosophie von Ferrari verbunden. So wurden beispielsweise Solarpanels in die Decks und Bordwände integriert, deren Positionierung auf Basis komplexer Sonneneinstrahlungsstudien optimiert wurde. Diese 110 Quadratmeter großflächigen Panels sind nicht nur begehbar und mit einem speziellen Grip versehen, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Ferrari seine Expertise im Bereich Leichtbau und Aerodynamik in den Segelsport überträgt. Die Silhouette des Katamarans erinnert an die elegante Linienführung des Ferrari Monza SP2, während die Architektur des Coachroofs an die Hypercar 499P erinnert, die kürzlich bei den 24 Stunden von Le Mans triumphierte.
Ein Teamwechsel im Schlüsselmoment: Der Weg zum Erfolg war nicht immer glatt. Giovanni Soldini, eine Legende des italienischen Ozean-Segelsports, wurde ursprünglich als Teamleiter engagiert, verließ das Projekt jedoch vor kurzem „aus freundschaftlichen Gründen“. Ferraris CEO, Benedetto Vigna, betont, dass dies jedoch „keine Kollision“ war, sondern lediglich ein notwendiger Schritt im Entwicklungsprozess.

Technologie, die begeistert: foil, solarzellen und ein revolutionäres steuerungssystem
Das Herzstück des Hypersail-Projekts ist zweifellos die technische Innovation. Marco Guglielmo Ribigini und Matteo Lanzavecchia, die das Tech Team von Ferrari leiten, haben eine Plattform geschaffen, die die „fortschrittlichsten und extremsten Lösungen“ aus dem Bereich America’s Cup, Multihull-Records und IMOCA-Rennen vereint und mit eigenen, revolutionären Neuerungen ergänzt.
Die gigantischen Foils (zwei seitliche und ein Heckfoil), der doppelte Gaffelsegel und die basculierende Kielkonstruktion mit einem Foil zur Auftriebserzeugung sind nur einige Beispiele für die Ingenieurskunst, die in den Hypersail-Katamaran einfließt. Das Steuerungssystem, das an das der F80 erinnert, soll es dem Team ermöglichen, den Zustand des Katamarans je nach den herrschenden Bedingungen flexibel anzupassen – ein Prinzip, das Ferrari bereits aus dem Automobilbereich kennt.
Auch die Energieversorgung ist ein zentraler Aspekt des Projekts. Die 20 Kilowatt Leistung, die durch die Solarpanels erzeugt wird, müssen intelligent mit den zwei 800-Volt-Batterien kombiniert werden, um ein optimales Verhältnis zwischen Gewicht und Leistung zu gewährleisten.

Enrico voltolini: der allrounder übernimmt die führung
Anstelle von Soldini steht nun Enrico Voltolini an der Spitze des Hypersail-Teams. Der 39-jährige Ingenieur und Sportler verkörpert den modernen „Manager-Athleten“ und bringt eine beeindruckende Expertise aus verschiedenen Disziplinen des Segelsports mit. Voltolini sieht in dem Projekt die Chance, „etwas Einzigartiges zu schaffen“ und die Grenzen des Möglichen zu sprengen.
Mit einem Ziel vor Augen: den legendären Trofeo Jules Verne zu gewinnen – die Umrundung der Welt in Rekordzeit. Der Wettbewerb ist hart, aber Ferrari Hypersail ist bereit, Geschichte zu schreiben. Die ersten Tests sind geplant, die offizielle Präsentation des Katamarans soll noch vor Ende des Jahres erfolgen. Die Welt des Segelsports hält den Atem an.
